Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Sind Biokunststoffe die Lösung für das Plastikmüll-Problem?

Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Bioplastik klingt erst einmal sehr umweltfreundlich. Doch drin steckt neben Wasser und Energie auch viel Chemie. Bioplastik darf sich so nennen, weil es entweder (zum Teil) aus erneuerbaren Rohstoffen wie Mais oder Zucker gemacht wird (biobasiertes Plastik) oder biologisch abbaubar ist. Es kann auch beides zutreffen.

Ökologisch ist es deshalb noch lange nicht. Biologisch abbaubares Plastik kann zum Beispiel aus konventionell angebautem Mais gemacht sein, aus dem Polymer der Milch oder einfach aus Erdöl. Das heißt, biologisch abbaubare Kunststoffe sind nicht unbedingt biobasiert. Andersherum sind derzeit weniger als 40 Prozent der biobasierten Kunststoffe auch biologisch abbaubar.

Bioplastik nicht besser als normaler Kunststoff

Die schlechte Nachricht: Das Umweltbundesamt schätzt biobasiertes und biologisch abbaubares Plastik nicht nachhaltiger ein als ganz normalen Kunststoff. Das sind die Gründe:

1. Bioplastik-Verpackungen dürfen nicht in Biotonne, Kompost oder Landschaft geworfen werden. Sie müssen in die gelbe Wertstofftonne

Das gilt sogar für biologisch abbaubaren Kunststoff: In der Landschaft, auf dem Kompost und im Meer sind die Bedingungen nicht ideal, sodass er erst nach mehreren Monaten in Wasser und CO2 zerfällt. Bis dahin ist er zum Beispiel für Tiere eine Gefahr, genau wie konventionelles Plastik.

Selbst in industriellen Kompostieranlagen, in denen der Inhalt von Biotonnen landet, kann es laut Dr. Petra Weißhaupt vom Umweltbundesamt Probleme geben.

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Dort können – trotz eigentlich idealer Bedingungen – Plastikteile im Kompost übrig bleiben, die sich nicht zersetzt haben.

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Außerdem wird befürchtet, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Plastiksorten verwechseln und in der Biotonne Kunststoff landet, der überhaupt nicht biologisch abbaubar ist.

2. Biobasiertes Plastik hat keine bessere Ökobilanz als normaler Kunststoff

Bisher wird Ihr Einkauf nicht nachhaltiger, wenn Sie zu biobasiertem Plastik greifen. Es verursacht zwar weniger CO2-Emissionen, aber insgesamt ist sein ökologischer Fußabdruck nicht kleiner als der von konventionellem Kunststoff.

Denn der Anbau von Bioplastik-Pflanzen verbraucht reichlich Rohstoffe, und die Monokulturen sowie der Dünger strapazieren die Böden. Beispielsweise werden für eine Tonne Polymilchsäure (PLA) für biobasierte Müllbeutel über zwei Tonnen Mais und fast 3.

000 Kubikmeter Wasser benötigt.

Problematisch ist außerdem – ähnlich wie beim Rapsanbau für Biodiesel –, dass Felder, die für den Bioplastik-Pflanzenanbau genutzt werden, für die Lebensmittelproduktion wegfallen. Wenn weltweit große Flächen für die Biopflanzenproduktion genutzt würden, könnte das die globalen Lebensmittelpreise steigen lassen.

3. Biologisch abbaubares Plastik ist nicht umweltfreundlicher als normaler Kunststoff

Auch biologisch abbaubares Plastik hat keine bessere Ökobilanz als konventionelles: Wenn es sich zersetzt, entsteht CO2 – wie beim Verbrennen von herkömmlichem Plastik. Das Verfeuern hat sogar noch eine bessere Bilanz. Denn dabei entstehen Energie und Wärme, die genutzt werden können. Ökologisch sinnvoller ist es, langlebigen Kunststoff immer wieder zu recyceln.

Verzichten Sie auf Bio-Müllbeutel

Nicht sinnvoll ist der Kauf von kompostierbaren Bio-Müllbeuteln, erkennbar am Keimling-Symbol. Sie sind zwar in manchen Städten und Gemeinden für die Biotonne zugelassen, werden aber in den Kompostieranlagen größtenteils aussortiert und landen im Restmüll.

Denn die Technik kann nicht zwischen den Beuteln und Störstoffen unterscheiden. Auf den Gartenkompost sollten kompostierbare Bio-Müllbeutel auch nicht, weil dort keine idealen Bedingungen herrschen.

Die sind aber nötig, damit das Plastik schnell und zuverlässig zerfällt.

Mehrweg statt biologisch abbaubar

Mehrwegtaschen oder -boxen sind in jedem Fall die ökologischste Alternative. Umweltfreundlich ist alles, was Sie öfter benutzen. Ihren Biomüll können sie auch ohne Beutel im Eimer sammeln. Waschen Sie ihn einfach regelmäßig aus, das ist nachhaltiger.

Bioplastik hat trotzdem Potenzial

Biokunststoffe könnten in der Zukunft eine gute Alternative zu konventionellem Plastik werden, wenn sie weiterentwickelt werden. Dafür spricht, dass sie zum Teil ohne Erdöl hergestellt werden können und dieser Rohstoff endlich ist. Allerdings müsste die Bioplastikherstellung umweltfreundlicher werden und dürfte nicht mit der Nahrungsmittelpflanzenproduktion um Flächen konkurrieren.

Источник: https://www.nachhaltiger-warenkorb.de/was-steckt-hinter-dem-begriff-bioplastik/

Biokunststoff – Allheilmittel oder Greenwashing?

Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Wir bei rezemo nutzen den Biokunststoff PLA anteilig als Rohstoff für unsere nachhaltige Kaffeekapsel aus Holz. Biokunsstoffe, umgangssprachlich auch Bioplastik genannt, sind in aller Munde.

Sie versprechen Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen und sollen die zunehmende Vermüllung unserer Weltmeere stoppen.

Aber was versteckt sich hinter dem Begriff „Biokunststoff“ eigentlich und was können diese Wundermaterialien leisten? 

Wann wird ein Kunststoff als „Bio“ bezeichnet?

Die Definition von Biokunststoff ist nicht so eindeutig, wie es sich vielleicht vermuten lässt.

Ein Biokunststoff besteht entweder aus nachwachsenden Rohstoffen, ist biologisch abbaubar oder beides.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch ein Kunststoff aus Erdöl als Biokunststoff bezeichnet werden kann, wenn er abbaubar ist. Ein biobasierter Kunststoff ist dagegen nicht zwangsläufig auch biologisch abzubauen.

Abb. 1: Einteilung der Biokunststoffe (eigene Darstellung)

Biologisch abbaubar heißt allerdings nicht, dass die Biokunststoff-Tüte auf dem heimischen Kompost entsorgt werden kann. Um ein entsprechendes Siegel wie „ok biocompostable“ zu erhalten, muss sich der Kunststoff unter definierten Bedingungen in industriellen Kompostieranlagen zersetzen. Mit ca.

60°C herrschen hier deutlich höhere Temperaturen als auf dem Kompost im eigenen Garten. Zudem tragen Biokunststoffe normalerweise nicht zur Humusbildung bei, wie es klassische Kompostmaterialien tun.

Biologisch abbaubar bedeutet nur, dass eine Zersetzung bis zu den Grundmolekülen CO2 und H2O stattfindet.

Zerfallen Biokunststoffe zu Mikroplastik?

Beim Wort Zersetzung müssen viele Menschen direkt an den Begriff „Mikroplastik“ denken. Zerfällt der biologisch abbaubare Kunststoff also zu Mikroplastik? Das würde nämlich keinesfalls ein wünschenswertes Abbauprodukt darstellen. Die Antwort darauf lautet glücklicherweise: das ist nicht der Fall.

Mikroplastik ist definiert als feste, unlösliche, partikuläre und nicht biologisch abbaubare synthetische Polymere, die kleiner als 5 Millimeter sind[1]. Sie entstehen durch die physikalische Zersetzung von größeren Plastikteilen.

Durch den Einfluss von Wind, Sonnenlicht und mechanischen Kräften wird der Kunststoff zu immer kleineren Partikeln zerrieben. Die Molekülstruktur bleibt dabei allerdings unverändert. Biologischer Abbau entspricht dagegen einer chemischen Zersetzung.

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Hier werden Molekülverbindungen zerstört, sodass am Ende unbedenkliche Abbauprodukte wie CO2 und H2O entstehen.

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Abb. 2: Varianten des Kunststoff-Abbaus (eigene Darstellung)

Vorteile von Biokunsstoffen

Ein großer Vorteil der biologisch abbaubaren Kunststoffe ist also, dass er nicht zu Mikroplastik zerfällt bzw. die zunächst entstehenden Mikroplastik-Partikel im weiteren Verlauf zu unbedenklichen Molekülen abgebaut werden.

Leider dauert dieser Prozess insbesondere in der Natur sehr lange, sodass biologisch abbaubare Kunststoffe keine wirkliche Lösung der Müllproblematik bieten können. Für passende Anwendungen (als Biokompostbeutel oder zur Umverpackung von Obst und Gemüse) können sie aber eine großartige Alternative darstellen.

Um die Vorteile wirklich nutzen zu können, müssen dann allerdings die Kompostieranlagen zum Abbau dieser Biokunststoffe befähigt werden. Aktuell sind nicht alle Kompostieranlagen in der Lage, die nötigen Rahmenbedingungen hinsichtlich Temperatur und Verweildauer zu gewährleisten. Daher wird ein Großteil der biologisch abbaubaren Kunststoffe aussortiert und anschließend verbrannt.

Zudem sollte der Biokunststoff bestenfalls optisch gut von den herkömmlichen Alternativen unterschieden werden können, da er sonst möglicherweise versehentlich in der Kompostieranlage mit aussortiert wird.

Welche Rohstoffe werden zur Herstellung von Biokunststoff genutzt?

Biobasierte Kunststoffe werden überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

Dabei basieren Biokunststoffe häufig auf Stärke (Polymilchsäure PLA, Thermoplastische Stärke TPS) oder Cellulose (Cellulose-Regenerate wie Viskose, Cellulose-Hydrate wie Zellglas).

Entsprechende Rohstoffe sind entweder stärkehaltig (Mais, Weizen) oder reich an Cellulose (Holz). Wer Genaueres über nachwachsende Rohstoffe und ihre Vorteile erfahren will, findet dazu einen eigenen Beitrag auf unserem Blog.

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Eine andere Option an der aktuell geforscht wird, ist die Nutzung von Mikroorganismen zur Herstellung von Biokunststoffen.

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So können beispielsweise spezielle Mikroben aus Stoffen im Abwasser das Biopolymer Polyhydroxybutyrat (PHB) herstellen, das in seinen Eigenschaften dem weit verbreiteten Polypropylen (PP) ähnelt.

Diese Konzepte stecken aktuell noch in den Kinderschuhen, bieten allerdings ein riesiges Potential für künftige Generationen an Biokunststoffen.

Abb. 3: Weltweite Produktionskapazität an Biokunststoffen (https://www.european-bioplastics.org/market/)

Fazit

Biokunststoffe bieten zwar nicht die Lösung aller Probleme, vor die uns der konventionelle Kunststoff stellt. Dennoch steckt insbesondere in der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen ein immenses Potential.

Aktuell können Biokunststoffe hinsichtlich der Kosten noch nicht mit konventionellem Plastik mithalten. Durch verstärkte Forschung und die wachsende Nachfrage nach „grünen“ Alternativen wird dieser Preisunterschied in Zukunft kleiner werden.

Nach und nach werden wir immer mehr Biokunststoff in unseren Supermarkt-Regalen entdecken.

Wir bei rezemo nutzen den Biokunststoff PLA zusammen mit Holzspänen für unsere nachhaltigen Holzkapseln und sind somit ein Vorreiter in der Nutzung und Verarbeitung biobasierter Werkstoffe.

[1] https://www.bund.net/themen/meere/mikroplastik/hintergrund/

Источник: https://rezemo.de/2020/05/19/biokunststoff-pla-bioplastik/

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