Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Contents
  1. Wie nachhaltig sind die neuen biologisch abbaubaren, kompostierbaren und biobasierten Kunststoffprodukte, die jetzt Verwendung finden?
  2. Was soll mit dem neuen EUA-Briefing erreicht werden? Warum ist eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit so wichtig?
  3. Was sind die wichtigsten Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit diesen neuen Kunststoffprodukten?
  4. Ist es nicht besser, die Verwendung von Kunststoffen zu vermeiden, wenn man bedenkt, wie verwirrend diese neuen Kunststoffprodukte im Hinblick auf ihre Entsorgung sein können?
  5. Was unternimmt die Europäische Union zur Bekämpfung des Kunststoffproblems? Was ist mit diesen neuen Kunststoffprodukten?
  6. Was unternimmt die Europäische Umweltagentur im Bereich Kunststoffabfälle und Kunststoffvermeidung?
  7. Konsumenten-Täuschung? Die Lüge vom Bioplastik
  8. Was bedeutet Bio-Kunststoff?
  9. Wie entsorgen? Biotonne, Restmüll oder Wertstoffhof?
  10. Wie gut sind Biokunststoffe für die Ökobilanz?
  11. Bioplastik – wirklich „bio“ oder Greenwashing?
  12. Biokunststoff hat eine Zukunft
  13. Biokunststoff – Allheilmittel oder Greenwashing?
  14. Wann wird ein Kunststoff als „Bio“ bezeichnet?
  15. Zerfallen Biokunststoffe zu Mikroplastik?
  16. Vorteile von Biokunsstoffen
  17. Welche Rohstoffe werden zur Herstellung von Biokunststoff genutzt?
  18. Fazit
  19. Wie Bio ist Bioplastik? Ein kritischer Blick – UTOPIA.DE <<
  20. Bioplastik: Biologisch abbaubar oder Plastik aus Bio?
  21. Dilemma: Biokunststoff aus Lebensmitteln
  22. Kunststoff aus Reststoffen: „Die Idee hat Potenzial“
  23. Auch biologisch abbaubarer Kunststoff gehört nicht in die Umwelt
  24. Bioplastik im Biomüll: keine gute Idee
  25. Entsorgung von Bioplastik: Recycling oder Verbrennung?
  26. Stabiler Biokunststoff: Coffee-to-go-Becher und Geschirr aus Bambus
  27. Fazit: Ohne Plastik ist besser

Wie nachhaltig sind die neuen biologisch abbaubaren, kompostierbaren und biobasierten Kunststoffprodukte, die jetzt Verwendung finden?

Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Zunächst müssen wir die Unterschiede zwischen bio- und fossilbasierten, biologisch abbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen verstehen. Biologisch abbaubare oder kompostierbare Kunststoffe können aus biobasierten oder fossilbasierten Rohstoffen hergestellt werden, und biobasierte Kunststoffe können so konzipiert werden, dass sie kompostierbar oder biologisch abbaubar sind oder nicht.

Die Nachhaltigkeit biobasierter Materialien – ebenso  wie von Kunststoffen, die aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden– hängt von den Herstellungsverfahren, der Lebensdauer der Produkte und der Behandlung am Ende ihrer Lebensdauer ab.

Biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffprodukte können in einigen Fällen und bei bestimmten Anwendungen dazu beitragen, die Umweltverschmutzung durch Kunststoffe zu verringern.

Allerdings sind sie weit davon entfernt, eine allgemeine, eigenständige Lösung für die Herausforderungen zu bieten, vor denen Europa heute aufgrund von Kunststoffen steht.

Was soll mit dem neuen EUA-Briefing erreicht werden? Warum ist eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit so wichtig?

Es herrscht viel Verwirrung in Bezug auf diese Kunststoffprodukte und darüber, was sie bedeuten und was sie leisten können. Es ist sehr wichtig, dass die Menschen diese Unterschiede kennen und verstehen.

Wenn die Verbraucher glauben, dass als „biobasiert“ gekennzeichnete Verpackungen kompostiert und in der Biotonne entsorgt werden können, erhöhen sie die Umweltbelastung durch Kunststoffe unter Umständen noch.

Mit dem Briefing sollen die politischen Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit für solche Trugschlüsse und die Notwendigkeit sensibilisiert werden, diese Unterschiede klar zu kommunizieren und darüber zu informieren, wie die einzelnen Kunststoffarten ordnungsgemäß entsorgt werden sollten.

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Jede Angabe zur Kompostierbarkeit oder zur biologischen Abbaubarkeit sollte präzise sein und sich eindeutig auf die Bedingungen beziehen, unter denen die Eigenschaften gelten.

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Beispielsweise sind industriell kompostierbare Kunststoffprodukte so konzipiert, dass sie unter bestimmten, kontrollierten Bedingungen in industriellen Kompostieranlagen biologisch abbaubar sind.

Iin privaten Kompostbehältern kompostieren sie nicht unbedingt oder nur unvollständig, da diese in der Regel nur niedrigere Temperaturen erreichen und Bedingungen wie Feuchtigkeit und das Vorhandensein von Mikroorganismen stark variieren.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit diesen neuen Kunststoffprodukten?

Es ist wichtig, herauszufinden, für welche Produkte es sinnvoll ist, biologisch abbaubare oder kompostierbare Kunststoffe zu verwenden, und in welchen Fällen sie mehr Schaden anrichten als Gutes tun könnten.

Beispielsweise scheint die Verwendung kompostierbarer Plastiktüten für Lebensmittelabfälle in Haushalten die Erfassungsrate von Lebensmittelabfällen zu erhöhen, da die Verbraucher sie für praktisch halten.

Einige Gemeinden und Abfallsammelunternehmen empfehlen oder verlangen daher die Verwendung zertifizierter kompostierbarer Plastiktüten für die Aufnahme von Bioabfällen, während andere sie nicht akzeptieren.

Dies hängt in hohem Maße von den Entscheidungen ab, die bei der Konzeption und dem Auau der Bioabfallbehandlungsinfrastruktur in den einzelnen Ländern getroffen wurden.

Andererseits sollten in einer Kreislaufwirtschaft vorzugsweise alle Kunststoffe zu neuen Kunststoffen recycelt werden. Wenn ein kompostierbares oder biologisch abbaubares Kunststoffprodukt kompostiert wird, können daraus keine neuen Kunststoffe hergestellt werden, und die gesamte Energie, die für seine Herstellung verwendet wurde, geht verloren.

Ist es nicht besser, die Verwendung von Kunststoffen zu vermeiden, wenn man bedenkt, wie verwirrend diese neuen Kunststoffprodukte im Hinblick auf ihre Entsorgung sein können?

Die Vermeidung und Verringerung von Kunststoffabfällen sollte in der Tat oberste Priorität haben, und wir müssen unsere Anstrengungen zur Vermeidung von Kunststoffabfällen verstärken, da diese Abfälle immer noch zunehmen.

Für viele Produkte können Kunststoffe eine gute Lösung sein. Wir müssen diese Kunststoffe jedoch kreislauforientiert gestalten und verwenden und dafür sorgen, dass sie viel mehr als heute recycelt werden können und recycelt werden.

Was unternimmt die Europäische Union zur Bekämpfung des Kunststoffproblems? Was ist mit diesen neuen Kunststoffprodukten?

Die Europäische Kommission hat 2018 die Europäische Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft veröffentlicht.

Die Strategie verpflichtet die EU, Kunststoffabfälle zu verringern, dafür zu sorgen, dass Kunststoffprodukte so konzipiert sind, dass sie recycelt werden können, und in Kunststoffrecycling und andere Maßnahmen zu investieren.

Darüber hinaus beschränkt die Richtlinie über Einwegkunststoffartikel von 2019 das Inverkehrbringen bestimmter Einwegkunststoffartikel in der EU und schreibt eine Verbrauchsminderung für eine Reihe anderer Produkte vor. Diese Anforderungen gelten auch für biobasierte, biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffprodukte.

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Für Kunststoffe mit biologisch abbaubaren Eigenschaften sieht der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft 2020 der EU die Schaffung eines klaren politischen Rahmens vor.

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Dieser soll die Regeln für die Definition und Kennzeichnung kompostierbarer und biologisch abbaubarer Kunststoffe harmonisieren sowie herausfinden, in welchen Anwendungen die solche Kunststoffe vorteilhaft für die Umwelt sind.

Nun müssen wir dafür sorgen, dass diese Maßnahmen in ganz Europa gut umgesetzt werden.

Was unternimmt die Europäische Umweltagentur im Bereich Kunststoffabfälle und Kunststoffvermeidung?

Kunststoffe sind eine der wichtigen Wertschöpfungsketten, die im Aktionsplan der EU für die Kreislaufwirtschaft 2020 aufgeführt sind. Deshalb ist dies ein wichtiger Arbeitsbereich für uns. Wir analysieren Kunststoffe aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Neben unserem kürzlich veröffentlichten Briefing haben wir beispielsweise nationale Strategien zur Vermeidung von Kunststoffabfällen in Europa und den europäischen Handel mit Kunststoffabfällen analysiert.

Im Laufe des Jahres wollen wir eine Analyse zu Kunststoffen in der europäischen Kreislaufwirtschaft, zu Kunststoffen in Textilien und zu Treibhausgasemissionen aus Kunststoffen veröffentlichen.

Источник: https://www.eea.europa.eu/de/articles/wie-nachhaltig-sind-die-neuen

Konsumenten-Täuschung? Die Lüge vom Bioplastik

Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Kunststoff begegnet uns überall, vor allem in Form von Verpackungsmaterial: Plastikschalen fürs Obst, Einkaufstüten, Joghurtbecher. Plastik ist außerordentlich billig, vielseitig verwendbar – und hält ewig.

Der Preis unseres Plastik-Konsums: Die Verschmutzung der Meere und der Umwelt mit Plastikmüll nimmt verheerende Dimensionen an. Plastik aus Pflanzen und biologisch abbaubar zu produzieren, klingt nach einer äußerst nachhaltigen Idee. Sind Bio-Kunststoffe also wirklich eine Lösung?

Was bedeutet Bio-Kunststoff?

Bei Lebensmitteln ist klar, wofür Bio steht: Die Produkte kommen aus biologischem Anbau.

Bei Bio-Kunststoff ist das etwas komplizierter und der Begriff ist nicht genau definiert: Bio-Kunststoff wird entweder aus biologischen Rohstoffen hergestellt – oder er ist biologisch abbaubar.

Nur eines der beiden Kriterien muss erfüllt sein, damit Kunststoff sich Bio-Kunststoff nennen darf. Es gibt allerdings auch Kunststoffe, die beide Kriterien erfüllen.

Biobasierte Kunststoffe:

Produkte aus Bio-Plastik bestehen teilweise aus erneuerbaren Rohstoffen, d.h. aus Biomasse, zum Beispiel Mais, Zuckerrohr oder Cellulose. Der Anteil der erneuerbaren Rohstoffe am Gesamtprodukt ist nicht definiert. Da immer Zusätze wie Gleitmittel und Stabilisatoren enthalten sind, können Bio-Kunststoffe nicht zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.

Beispiele für biobasierte Kunststoffe sind PE (Polyethylen) und PET (Polyethylenterephthalat).

Vorteil: Biobasierte Kunststoffe schonen die knappen Erdölreserven, Herstellung und Entsorgung sparen CO2. Diese Produkte haben dieselben Eigenschaften wie die aus herkömmlichem Kunststoff, sie sind genauso stabil und genauso lange haltbar.

Nachteil: Ihre lange Haltbarkeit ist auch ein immenser Nachteil – sie sind für die Meere und die Umwelt insgesamt genauso schädlich wie andere Kunststoffe auch. Biobasierte Kunststoffe sind häufig nicht biologisch abbaubar. Der Anbau der Rohstoffe ist aufwändig und energieintensiv, zudem wird in der industriellen Landwirtschaft gedüngt und mit Pestiziden gearbeitet.

Biologisch abbaubare Kunststoffe:

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Das Ausgangsmaterial biologisch abbaubarer Kunststoffe spielt keine Rolle, sie müssen aber zu mindestens 90 Prozent biologisch abbaubar sein. Dann dürfen sie auch die Zertifizierung DIN EN 13432 tragen. Diese Norm besagt: Innerhalb von zwölf Wochen muss sich das Material zu mindestens 90 Prozent zersetzt haben.

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Biologisch abbaubare Kunststoffe müssen nicht unbedingt aus nachwachsenden pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen hergestellt sein. Es gibt auch Kunststoffe aus fossilen Ressourcen, die biologisch abbaubar sind.

Nachteil: Für die Zersetzung braucht es ideale Bedingungen, die der heimische Kompost nicht bietet. Damit haben auch Tüten für den Biomüll ein Problem: Moderne Industrieanlagen benötigen vier Wochen, um Bio-Abfälle zu zersetzen – für den Abbau der Tüten braucht es jedoch deutlich mehr Zeit.

Das Umweltbundesamt spricht hier von einer Mogelpackung: „Bei der Kompostierung zerfallen viele biologisch abbaubare Kunststoffe nämlich nur unter den definierten Bedingungen von industriellen Kompostierungsanlagen.

Auf den Komposthaufen zu Hause sollten sie nicht geworfen werden, da hier andere Feuchte- und Temperaturbedingungen herrschen und sie sich dort nicht oder nur mit einer deutlich längeren Zerfallszeit zersetzen.“

Landen die Plastiktüten im Meer, brauchen sie zum Verrotten genauso lange wie herkömmliche Tüten – und sind damit genauso schädlich und gefährlich für die Tierwelt.

Wie entsorgen? Biotonne, Restmüll oder Wertstoffhof?

Auf den ersten Blick lassen sich Produkte aus Biokunststoff nicht von herkömmlichen unterscheiden. Das macht es für den Verbraucher schwer zu wissen, wie er die Tüte oder den Becher korrekt entsorgt.

Da die Materialien kaum zu unterscheiden sind, werden sie in der Kompostieranlage oft aussortiert. Falls das Produkt wirklich abgebaut werden kann, besitzt es übrigens keinerlei Wert für den Kompost, es enthält weder Nährstoffe noch Mineralien.

„Deshalb scheidet die energetische Verwertung – das Verbrennen in der Müllverbrennung also – sogar besser ab“, konstatiert das Umweltbundesamt und empfiehlt die Entsorgung über den Restmüll.

„Die bei der Verbrennung freiwerdende Energie lässt sich so immerhin als Strom oder Wärme nutzen.“

Auch das Recycling ist schwierig, weil die Kunststoffe kaum unterscheidbar sind.

Wie gut sind Biokunststoffe für die Ökobilanz?

Wie gut die Ökobilanz eines Produkt aus Bioplastik letztendlich ist, hängt maßgeblich davon ab, wo die Rohstoffe herkommen. Allermeist steckt in Produkten aus Bioplastik jede Menge Wasser, Energie und viel Chemie. All diese Faktoren sehen wir dem Joghurtbecher oder der Plastiktüte nicht an. Kritiker warnen hier vor Greenwashing und Verbrauchertäuschung.

Bioplastik – wirklich „bio“ oder Greenwashing?

Sorgen die Joghurtbecher und Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff nur für ein grünes Gewissen? Oder fällt ihre Ökobilanz wirklich besser aus? Das Umweltbundesamt ist der Meinung: „Unterm Strich muss man derzeit sagen: Biobasierte Kunststoffe sind noch längst nicht umweltfreundlicher als herkömmliche Kunststoffe.“ Und auch der Nabu äußerst sich kritisch: „Bisher ist noch kein ökologischer Vorteil gegenüber der klassischen Plastiktüte nachzuweisen. So ist „Bioplastik“ leider bisher eher eine Gewissensberuhigung und ein Marketinginstrument.“

Biokunststoff hat eine Zukunft

Es gibt aber gute Gründe, die Weiterentwicklung von Biokunststoffen weiter zu unterstützen. Erdöl ist endlich. Und jede Plastiktüte, die nicht aus dem endlichen Rohstoff Erdöl besteht, spart die Ressource Erdöl. Bei der Verbrennung setzen die Produkte nur so viel CO2 frei wie die Pflanze ursprünglich beim Wachsen in sich gespeichert hat. Deshalb gelten die Kunststoffe als klimaneutral.

Noch ist Biokunststoff ein Nischenprodukt (unter 1 Prozent), der Ruf nach neuen und besseren Materialien wird jedoch immer lauter. Momentan liegen die Herstellungskosten deutlich über denen herkömmlicher Kunststoffe.

Biokunststoff hat aber nur eine Zukunft, wenn er billig herstellbar ist, wenn die Produktion mit wenig Energie und Wasser auskommt und der Anbau der Rohstoffe für Bioplastik nicht mit dem Anbau von Nahrungsmitteln konkurriert.

Bis es soweit ist, ist der Griff zum Stofeutel die nachhaltigste Einkaufshilfe!

Für weitere Informationen: www.umweltbundesamt.de / www.nabu.de

Foto: Utopia.de

Источник: https://www.oekotest.de/freizeit-technik/Konsumenten-Taeuschung-Die-Luege-vom-Bioplastik_600676_1.html

Biokunststoff – Allheilmittel oder Greenwashing?

Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Wir bei rezemo nutzen den Biokunststoff PLA anteilig als Rohstoff für unsere nachhaltige Kaffeekapsel aus Holz. Biokunsstoffe, umgangssprachlich auch Bioplastik genannt, sind in aller Munde.

Sie versprechen Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen und sollen die zunehmende Vermüllung unserer Weltmeere stoppen.

Aber was versteckt sich hinter dem Begriff „Biokunststoff“ eigentlich und was können diese Wundermaterialien leisten? 

Wann wird ein Kunststoff als „Bio“ bezeichnet?

Die Definition von Biokunststoff ist nicht so eindeutig, wie es sich vielleicht vermuten lässt.

Ein Biokunststoff besteht entweder aus nachwachsenden Rohstoffen, ist biologisch abbaubar oder beides.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch ein Kunststoff aus Erdöl als Biokunststoff bezeichnet werden kann, wenn er abbaubar ist. Ein biobasierter Kunststoff ist dagegen nicht zwangsläufig auch biologisch abzubauen.

Abb. 1: Einteilung der Biokunststoffe (eigene Darstellung)

Biologisch abbaubar heißt allerdings nicht, dass die Biokunststoff-Tüte auf dem heimischen Kompost entsorgt werden kann. Um ein entsprechendes Siegel wie „ok biocompostable“ zu erhalten, muss sich der Kunststoff unter definierten Bedingungen in industriellen Kompostieranlagen zersetzen. Mit ca.

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60°C herrschen hier deutlich höhere Temperaturen als auf dem Kompost im eigenen Garten. Zudem tragen Biokunststoffe normalerweise nicht zur Humusbildung bei, wie es klassische Kompostmaterialien tun.

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Biologisch abbaubar bedeutet nur, dass eine Zersetzung bis zu den Grundmolekülen CO2 und H2O stattfindet.

Zerfallen Biokunststoffe zu Mikroplastik?

Beim Wort Zersetzung müssen viele Menschen direkt an den Begriff „Mikroplastik“ denken. Zerfällt der biologisch abbaubare Kunststoff also zu Mikroplastik? Das würde nämlich keinesfalls ein wünschenswertes Abbauprodukt darstellen. Die Antwort darauf lautet glücklicherweise: das ist nicht der Fall.

Mikroplastik ist definiert als feste, unlösliche, partikuläre und nicht biologisch abbaubare synthetische Polymere, die kleiner als 5 Millimeter sind[1]. Sie entstehen durch die physikalische Zersetzung von größeren Plastikteilen.

Durch den Einfluss von Wind, Sonnenlicht und mechanischen Kräften wird der Kunststoff zu immer kleineren Partikeln zerrieben. Die Molekülstruktur bleibt dabei allerdings unverändert. Biologischer Abbau entspricht dagegen einer chemischen Zersetzung.

Hier werden Molekülverbindungen zerstört, sodass am Ende unbedenkliche Abbauprodukte wie CO2 und H2O entstehen.

Abb. 2: Varianten des Kunststoff-Abbaus (eigene Darstellung)

Vorteile von Biokunsstoffen

Ein großer Vorteil der biologisch abbaubaren Kunststoffe ist also, dass er nicht zu Mikroplastik zerfällt bzw. die zunächst entstehenden Mikroplastik-Partikel im weiteren Verlauf zu unbedenklichen Molekülen abgebaut werden.

Leider dauert dieser Prozess insbesondere in der Natur sehr lange, sodass biologisch abbaubare Kunststoffe keine wirkliche Lösung der Müllproblematik bieten können. Für passende Anwendungen (als Biokompostbeutel oder zur Umverpackung von Obst und Gemüse) können sie aber eine großartige Alternative darstellen.

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Um die Vorteile wirklich nutzen zu können, müssen dann allerdings die Kompostieranlagen zum Abbau dieser Biokunststoffe befähigt werden. Aktuell sind nicht alle Kompostieranlagen in der Lage, die nötigen Rahmenbedingungen hinsichtlich Temperatur und Verweildauer zu gewährleisten. Daher wird ein Großteil der biologisch abbaubaren Kunststoffe aussortiert und anschließend verbrannt.

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Zudem sollte der Biokunststoff bestenfalls optisch gut von den herkömmlichen Alternativen unterschieden werden können, da er sonst möglicherweise versehentlich in der Kompostieranlage mit aussortiert wird.

Welche Rohstoffe werden zur Herstellung von Biokunststoff genutzt?

Biobasierte Kunststoffe werden überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

Dabei basieren Biokunststoffe häufig auf Stärke (Polymilchsäure PLA, Thermoplastische Stärke TPS) oder Cellulose (Cellulose-Regenerate wie Viskose, Cellulose-Hydrate wie Zellglas).

Entsprechende Rohstoffe sind entweder stärkehaltig (Mais, Weizen) oder reich an Cellulose (Holz). Wer Genaueres über nachwachsende Rohstoffe und ihre Vorteile erfahren will, findet dazu einen eigenen Beitrag auf unserem Blog.

Eine andere Option an der aktuell geforscht wird, ist die Nutzung von Mikroorganismen zur Herstellung von Biokunststoffen.

So können beispielsweise spezielle Mikroben aus Stoffen im Abwasser das Biopolymer Polyhydroxybutyrat (PHB) herstellen, das in seinen Eigenschaften dem weit verbreiteten Polypropylen (PP) ähnelt.

Diese Konzepte stecken aktuell noch in den Kinderschuhen, bieten allerdings ein riesiges Potential für künftige Generationen an Biokunststoffen.

Abb. 3: Weltweite Produktionskapazität an Biokunststoffen (https://www.european-bioplastics.org/market/)

Fazit

Biokunststoffe bieten zwar nicht die Lösung aller Probleme, vor die uns der konventionelle Kunststoff stellt. Dennoch steckt insbesondere in der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen ein immenses Potential.

Aktuell können Biokunststoffe hinsichtlich der Kosten noch nicht mit konventionellem Plastik mithalten. Durch verstärkte Forschung und die wachsende Nachfrage nach „grünen“ Alternativen wird dieser Preisunterschied in Zukunft kleiner werden.

Nach und nach werden wir immer mehr Biokunststoff in unseren Supermarkt-Regalen entdecken.

Wir bei rezemo nutzen den Biokunststoff PLA zusammen mit Holzspänen für unsere nachhaltigen Holzkapseln und sind somit ein Vorreiter in der Nutzung und Verarbeitung biobasierter Werkstoffe.

[1] https://www.bund.net/themen/meere/mikroplastik/hintergrund/

Источник: https://rezemo.de/2020/05/19/biokunststoff-pla-bioplastik/

Wie Bio ist Bioplastik? Ein kritischer Blick – UTOPIA.DE <<

Biokunststoff: Ist er wirklich nachhaltig und abbaubar?

Mülltüten aus Maisstärke, Becher aus Bambus, biologisch abbaubares Geschirr: Die Alternativen zu herkömmlichem Plastik klingen vielversprechend. Aber ist Bioplastik auch wirklich umweltfreundlicher?

Während sich die Gesellschaft langsam bewusst wird, dass unser Plastikkonsum ein Problem ist, steigt Bioplastik zur vermeintlichen Alternative auf. Zu Recht? Und was ist das überhaupt, Bioplastik?

Herkömmliche Kunststoffe werden in der Regel auf Basis von Erdöl hergestellt. Dessen Förderung ist für die Umwelt riskant und zerstörerisch, wie die erschreckend häufigen Ölkatastrophen beweisen. Aber nicht nur die Kunststoffherstellung, auch die Entsorgung ist problematisch.

Denn trotz der Recyclingsysteme gelangen weltweit riesige Mengen Plastik in die Umwelt und die Meere, wo sie Generationen überdauern und das Leben von Tieren und ganzen Ökosystemen gefährden.

Und immer wieder gibt es auch Hinweise darauf, dass der ständige Kontakt mit Plastik für unsere Gesundheit bedenklich sein könnte, weil es beispielsweise als Mikroplastik in unseren Körper gelangt.

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Nicht zuletzt werden für Plastik viel Energie, Ressourcen und ökologische Schäden in Kauf genommen, um daraus Produkte herzustellen, die oft nach einmaliger Verwendung im Müll landen – etwa Verpackungsmaterialien, Einwegbecher oder Tüten.

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Unseren Plastikkonsum zu reduzieren und Alternativen zu finden, ist also dringend notwendig. Ob die bisher entwickelten Biokunststoffe aber wirklich die Lösung sein können?

Bioplastik: Biologisch abbaubar oder Plastik aus Bio?

Müllbeutel, Wegwerfgeschirr, Verpackungen: Eine ganze Reihe von Alltagsgegenständen gibt es inzwischen auch aus Biokunststoff. Oft sind die Produkte mit Hinweisen wie „biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“ versehen. Doch hinter den Begriffen Biokunststoff oder Bioplastik kann sich Verschiedenes verbergen; eine klare Definition gibt es nicht.

  • Zum einen kann Kunststoff gemeint sein, der auf Basis von nachwachsenden organischen Rohstoffen wie etwa Zuckerrohr, Bambus oder Mais hergestellt wurde („biobasiert“).
  • Zum anderen werden biologisch abbaubare Kunststoffe als Bioplastik bezeichnet.
  • Oft, aber längst nicht immer, ist beides der Fall. Biobasierter Kunststoff ist nicht automatisch biologisch abbaubar – während erdölbasierter Kunststoff abbaubar sein kann.
  • Zudem gibt es zahlreiche Plastikprodukte, die aus Mischungen von konventionellem und Bioplastik bestehen.

Zumindest bisher konnten sich Verpackungen aus Bioplastik nicht großflächig durchsetzen: Der Marktanteil von Biokunststoff in Europa liegt derzeit bei etwa einem Prozent. Industrie und Wissenschaft allerdings forschen eifrig an neuen Zusammensetzungen, Herstellungsweisen und Anwendungsgebieten von Plastik-Alternativen.

Dilemma: Biokunststoff aus Lebensmitteln

Aus ökologischer Sicht hat Bioplastik aus Pflanzenmaterial gegenüber herkömmlichen Kunststoffen zumindest scheinbar wichtige Vorteile. Biobasierte Kunststoffe brauchen zur Herstellung keine fossilen Rohstoffe, sondern nutzen nachwachsende Ressourcen.

Mittels verschiedener Verfahren können aus Rohmaterialien wie Mais, Weizen, Kartoffeln, Zuckerrohr, Zuckerrüben, Bambus oder Holz unterschiedliche Kunststoffarten produziert werden (Stärke-, PLA- oder zellulosebasierte Biokunststoffe).

In einem Papier der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) ist dabei von Emissionseinsparungen von 20 bis 80 Prozent die Rede.

Die Produktion von Biokunststoff – z.B. aus Mais – konkurriert mit dem Anbau von Nahrungsmitteln. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay Free-Photos )

Aber: Die Verwendung von essbaren Pflanzen als Rohmaterial kann – wenn man von eine künftigen Bioplastik-Produktion in großem Stil ausgeht – in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen.

Und auch für nicht-essbares Pflanzenmaterial gehen wertvolle Flächen für den Anbau von Lebensmitteln verloren. Anders ausgedrückt: Während in vielen Teilen der Welt Menschen hungern, werden Nahrungsmittel und Anbauflächen für Verpackungsmaterial genutzt.

Für den Anbau dieser Pflanzen kommen zudem oft große Mengen an Düngemitteln und Pestiziden zum Einsatz, die Böden und Gewässer belasten.

Das Umweltbundesamt schreibt deshalb, die Umweltauswirkungen seien bei biobasierten Kunststoffen nicht geringer. „Die Auswirkungen verschieben sich eher: Während konventionelle […] Kunststoffe mehr klimawirksames CO2 freisetzen, äußert sich der ökologische Fußabdruck biobasierter Kunststoffe in einem höheren Versauerungs- und Eutrophierungspotential sowie einem gewissen Flächenbedarf.“

Auch Christoph Lauwigi, Sprecher des Arbeitskreises Abfall und Rohstoffe beim BUND, sagt:

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„Kunststoffe, die aus Produkten der industriellen Landwirtschaft mit all ihren negativen Umweltauswirkungen hergestellt werden, tragen nicht zur Lösung bei, sondern verschieben nur die Problematik in einen anderen Bereich.“ 

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Ein Lichtblick: Es existieren verschiedene Forschungsansätze, um Biokunststoffe aus kaum anderweitig verwendbaren organischen Rohstoffen herzustellen, beispielsweise aus Holzabfällen oder Lebensmittelabfällen. Die Idee ist viel versprechend, noch befinden sich diese Materialien aber in der Entwicklung.

Kunststoff aus Reststoffen: „Die Idee hat Potenzial“

Aussichtsreich scheinen hier vor allem PHA- oder PLA (Polymilchsäure)-basierte Kunststoffe. Milchsäure-Bakterien müssen, um Kunststoffe herstellen zu können, zunächst mit irgendeiner Art Zucker „gefüttert“ werden. An dieser Stelle kommen die nachwachsenden Rohstoffe ins Spiel.

„Zucker kann auch aus Reststoffen gewonnen werden“, erklärt Dr. Susanne Zibek vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB.

Es gibt hierzu verschiedene Versuche – in der Vergangenheit wurde in verschiedenen Forschungseinrichtungen etwa mit Molkeresten, Chicorée-Wurzeln, Öl- und Zuckerresten sowie Schlachtabfällen experimentiert.

Auch an der Zuckerherstellung aus Lignocellulose, einem Bestandteil von Holz, werde geforscht. So kann zum Beispiel aus Holzresten, Sägemehl oder Stroh Glucose gewonnen werden, die wiederum mittels Milchsäurebakterien zu Bio-Kunststoff verarbeitet wird. Hier besteht keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. „Die Idee hat definitiv Potenzial“, glaubt Zibek.

Es seien europaweit mehrere Versuche und Pilotanlagen in Betrieb, die beispielsweise an der Verarbeitung von Lignocellulose arbeiten, erklärt Zibek.

Sie sagt jedoch auch: „Von der Idee bis zur Anwendung in der Industrie muss man in der Regel mit mehreren Jahren bis Jahrzehnten rechnen.

“ Ob und wann also Biokunststoffe tatsächlich im industriellen Stil aus Reststoffen hergestellt werden können, ist unklar.

Auch biologisch abbaubarer Kunststoff gehört nicht in die Umwelt

Biologisch abbaubarer Kunststoff darf sich „kompostierbar“ nennen und beispielsweise das „Keimling“-Logo tragen, wenn er unter industriellen Bedingungen innerhalb von höchstens 90 Tagen zu 90 Prozent in kleinste Teilchen (kleiner als 2 Millimeter) zerfällt. Theoretisch dürfen beim Abbau nur CO2 und Wasser übrig bleiben.

Zwar gibt es auch Zertifizierungen für heim-kompostierbare Plastikprodukte, diese sind jedoch selten, und auch der Branchenverband European Bioplastics scheint solchen Produkten gegenüber eher skeptisch.

Einweggeschirr aus Bioplastik: solche Biokunstoffe sind selbst dann keine gute Idee, wenn sie biologisch abbaubar sind. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash Brian Yurasits)

Im Prinzip haben vollständig kompostierbare Plastikprodukte – zum Beispiel Einweggeschirr oder Müllbeutel aus Maisstärke – das Potenzial, Abfall zu vermeiden und so die Umwelt zu schonen.

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Selbst wenn sie in die Natur gelangen, können sie sich zumindest schneller und vollständiger zersetzen als herkömmliches Plastik.

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In Landwirtschaft und Gartenbau können natürlich verrottende Folien aus Bioplastik die Arbeit erleichtern, da sie nicht aufgesammelt und aufwendig entsorgt werden müssen.

In der Praxis jedoch sollten auch biologisch abbaubare oder kompostierbare Plastikprodukte auf keinen Fall einfach in der Umwelt (oder auf dem Kompost) landen – unter den schwer kontrollierbaren Bedingungen dort kann der Abbau immer noch sehr, sehr lange dauern.

Lies auch: Das Zero-Waste-Bad: 17 praktische Tipps für weniger Plastik

Bioplastik im Biomüll: keine gute Idee

Was ist aber mit dem wohl häufigsten Anwendungsfall, den fast überall erhältlichen „Bio-Müllbeuteln“? Immerhin werden diese gezielt verkauft, um darin Biomüll zu sammeln und zu entsorgen.

Auch wenn die Tüten in der Theorie allen Kriterien der biologischen Abbaubarkeit entsprechen, werden sie in der Realität meistens verbrannt.

Denn: In der Praxis bräuchten die meisten Bioplastik-Tüten in industriellen Kompostieranlagen mindestens 12 Wochen, um zu zerfallen. So lange lagert der Biomüll aber meist gar nicht:

„Die Bioabfallbehandlungsanlagen haben als Ziel eine möglichst wirtschaftliche Erzeugung von qualitätsgesichertem Kompost – und das geht im Normalfall in kürzerer Zeit, so dass dann die Gefahr eines unvollständigen Abbaus der Beutel besteht und damit die Qualität des Kompostes gefährdet wäre“,

sagt Evi Thiermann, Pressesprecherin des Abfallwirtschaftbetriebs München (AWM).

Konkret: In den meisten Anlagen dauert die Kompostierung des Biomülls nur sechs bis zehn Wochen – zu kurz für die Bioplastiktüten. Es würden Kunststoffteilchen im Kompost zurückbleiben.

Der Großteil der Kompostierbetriebe sortiert Biokunststoffe daher von vornherein aus und führt sie der Restmüllverwertung, sprich: der Müllverbrennungsanlage, zu.

Würden alle Verbraucher*innen auf die Bioplastikbeutel umsteigen, müssten die Abfallbetriebe aufwändig umrüsten.

„Unsere derzeitige Empfehlungen für die Verbraucher sind deshalb, möglichst nur nicht beschichtete Papiertüten zum Sammeln der Bioabfälle zu verwenden, unter Umständen auch etwas altes Zeitungspapier“, so Thiermann.

Entsorgung von Bioplastik: Recycling oder Verbrennung?

Viele andere deutsche Abfallbetriebe untersagen die Entsorgung von Bioplastik im Biomüll ebenfalls. Und wie sieht es mit dem Recycling aus – darf Bioplastik in die gelbe Tonne?

Hier kommt es auf die Materialzusammensetzung an (s. Positionspapier des Fraunhofer UMSICHT). Kunststoffe, die in ihrer chemischen Struktur herkömmlichen Kunststoffen ähneln, können genau wie diese recycelt werden.

Dazu gehören beispielsweise PET-Plastikflaschen mit biobasiertem Anteil oder andere biobasierte Varianten von PE, PP und PET. In Recyclinganlagen meist aussortiert werden dagegen Kunststoffe mit anderer chemischer Struktur – die Anlagen sind darauf (noch) nicht ausgerichtet.

Auch hier landen viele Bioplastik-Produkte also letztlich in der Müllverbrennung.

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Ist dann durch Biokunstoff-Müllbeutel und ähnliches überhaupt etwas gewonnen? Immerhin: Bei der „energetischen Verwertung“, also der Verbrennung, ist biobasierter Biokunststoff etwas klimafreundlicher als herkömmliches Plastik. Denn es wird dabei nur so viel CO2 freigesetzt, wie das pflanzliche Ausgangsmaterial gespeichert hatte – deutlich weniger als bei erdölbasierten Materialien.

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Der Umweltverband BUND schreibt daher in einer Stellungnahme zu biologisch abbaubarem Kunststoff, der Restmüll sei „der geeignete Platz für den sogenannten Biokunststoff“.

Großes Aber: Die Abfallhierarchie der EU legt fest, dass Recycling die Top-Priorität ist, wenn Abfälle nicht vermieden werden können. Oder anders: Der Einsatz wertvoller Ressourcen für Produkte, die sich nach einmaliger Verwendung zersetzen sollen oder verbrannt werden, anstatt wiederverwertet zu werden, sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.

Auch der BUND sieht in der Debatte um Bioplastik vor allem die Gefahr, dass von dem eigentlichen Problem abgelenkt wird: unserem sorglosen Umgang mit Plastik.

Stabiler Biokunststoff: Coffee-to-go-Becher und Geschirr aus Bambus

Bambusbecher: Nicht ganz so öko wie gerne behauptet. (Fotos: CC0 Public Domain / Unsplash.com, Pixabay.de)

Grundsätzlich ist der Einsatz von Biokunststoffen für langlebige Produkte sinnvoller als für Einweg-Waren wie Mülltüten. Besonders beliebt sind hier zum Beispiel Becher und Geschirr auf Bambusbasis.

Bambus ist – im Gegensatz zu Erdöl – eine schnell nachwachsende natürliche Ressource und theoretisch biologisch abbaubar. Allerdings gilt das nicht für Kaffeebecher oder Kindergeschirr aus Bambus: Hier werden dem Bambusmaterial fast immer herkömmliche Kunststoffe oder Harze wie Melamin zugefügt.

Sie gehören demnach in die Müllverbrennung und nicht in den Biomüll oder gar auf den Kompost.

Achtung: Von Bambusbechern, die Melamin enthalten, raten wir aus Gesundheitsgründen ab. Wenn sie mit heißen Getränken befüllt werden, können sie Melamin und Formaldehyd an den Inhalt abgeben. Auch die Stiftung Warentest warnt vor Bambusbechern. Sie rügt sowohl Schadstoffe als auch irreführende Kennzeichnungen.

Fazit: Ohne Plastik ist besser

Derzeit scheinen sich die Vor- und Nachteile von Biokunststoff gegenseitig aufzuheben. Das Hauptproblem liegt nach wie vor in unserem viel zu hohen (Einweg-)Plastikkonsum; die Frage nach der Zusammensetzung des Kunststoffes ist dabei zweitrangig. Genau wie der BUND empfehlen wir, weiterhin so weit wie möglich Plastik zu vermeiden, egal ob Bio oder nicht.

Dort, wo sich Plastik schwer umgehen lässt, scheint aktuell die sinnvollste Variante Recycling-Kunststoff zu sein.

 Auch Christoph Lauwigi vom BUND findet die Antwort auf die Frage nach dem „besten“ Kunststoff einfach: „Wiederverwendet oder recycelt aus vorhandenem Kunststoff, langlebig, wiederverwendbar und nach Ende seines langen, intensiven und sinnvollen Einsatzes gut wieder in den Kreislauf integrierbar.“

Weiterlesen auf Utopia.de:

English version available: Bioplastics: How Green and Sustainable Are They?

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Schlagwörter: Müll Plastik Plastikfrei Verpackung vermeiden

Источник: https://utopia.de/ratgeber/bioplastik-biokunststoffe-check/

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