Ein Haus aus Stroh und Holz – vom Abenteuer ökologischen Bauens auf dem Land

Wohnen im Strohballenhaus – konsequent ökologisch

Ein Haus aus Stroh und Holz – vom Abenteuer ökologischen Bauens auf dem Land
Konsequent ökologisch

© Petra Höglmeier

Beim Anblick des Hauses der Familie Louchet in Bayern kommt man nicht auf den Gedanken, dass das Einfamilienhaus zum größten Teil aus Holz, Stroh und Lehm besteht. Und doch ist genau das der Leitgedanke, den die Familie zum Bau bewogen hat: so wenig industrielle Materialien wie möglich zu verwenden. Entstanden ist ein Strohballenhaus mit lehmverputzten Wänden.

Strohballenhäuser sind noch selten in Deutschland

Häuser aus Stroh, Holz und Lehm, wie das der Familie Louchet, sind in Deutschland bisher weitgehend unbekannt. Nach Schätzung des Fachverbandes Strohballenbau Deutschland (FASBA) gibt es zwischen 400 und 500 solcher Häuser.

Nicolas Louchet kannte die Bauweise aus seinem Heimatland bereits, dort waren Häuser aus Stroh weiter verbreitet. „In Frankreich ist der Öko-Hausbau weniger industrialisiert, deshalb bauen die Leute mehr selbst“, erklärt der 40-Jährige.

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Für Häuser aus Strohballen gibt es zwei Bauweisen: die lasttragende Bauweise, bei der die Strohballen eine statische Funktion übernehmen, und Holzständer- bzw. Holzrahmenkonstruktionen mit Strohballen als Dämmmaterial.

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Für erstere gibt es in Deutschland keine Zulassung – es muss eine Zulassung im Einzelfall beantragt werden, bei der auch die Statik eine wichtige Rolle spielt. Als Dammmaterial sind Strohballen allerdings zugelassen.

Mit Stroh gedämmt

Anna und Nicolas Louchet haben sich für die Holzbauweise entschieden. Mit der österreichischen Firma Spreitzer Planung fanden sie den richtigen Partner für das Bauen mit Stroh und Lehm.

Für die gute Dämmung sorgen die mit Stroh befüllten Holzriegel, und die Holzrahmen aus heimischer Fichte wurden passgenau für die Größe der Strohballen angefertigt.

Die Außenwände bestehen aus mehreren Schichten: Auf der Außenseite befindet sich die hinterlüftete Holzfassade auf der wasserdichte Holzweichfaserplatten angebracht sind.

Die mittlere Schicht ist eine mit Stroh gedämmte Holzständerkonstruktion und für die Innen-Verschalung brachte ein Zimmerer Holzbretter aus Fichte an. Schilfrohr, das als Putzträger dient, wurde im letzten Schritt mit Lehm aus der Region verputzt. Der Baustoff reguliert die Feuchtigkeit im Haus und sorgt nebenbei für ein angenehmes Raumklima.

Mit Lehm für ein angenehmes Raumklima

Beim Lehmputz gibt es üblicherweise drei Schichten: Die unterste Schicht ist der Grobputz, bei dem kleine Steine und gehäckseltes Stroh unter den Lehm gemischt werden. Die zweite Schicht ist der weinger grobe Feinputz, dem anstelle Steinen Zellulose untergemischt wird.

Die oberste Schicht nennt sich Edelputz, der am glattesten von allen ist. Die Wohngesundheit durch baubiologisch einwandfreie Materialien hatte eine sehr hohe Priorität für Anna und Nicolas Louchet.

Ein Beispiel: Die Elektroinstallationen sind durch eine Ummantelung aus Metall abgeschirmt, so dass sie keinen Elektrosmog ausstrahlen können.

Heizen mit Sonne und Holz

In dem Einfamilienhaus nach dem Sonnenhaus-Bau- und Heizkonzept erzeugen 30 Quadratmeter Solarkollektoren den Großteil des Wärmebedarfs der vierköpfigen Familie. Bei diesen Häusern werden mindestens 50 Prozent des Wärmebedarfs solar erzeugt.

Die Familie entschied sich für eine große Solarwärmeanlage, die die Firma Schuster Gebäudetechnik aus dem bayerischen Büchlberg plante.

Damit ein großer Teil des jährlichen Heizenergiebedarfs solar erzeugt werden kann, musste die Kollektorenfläche für die tiefer stehende Wintersonne optimiert werden und die Kollektoren möglichst steil angebracht sein.

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So konnten auf der Südseite des Daches auf einer 60 Grad steilen Teilfläche 30 Quadratmeter Solarkollektoren installiert werden, die zwischen 60 und 70 Prozent des Wärmebedarfs von knapp 200 Quadratmetern decken.

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Die Wärme wird in einem Speicher mit vier Kubikmeter Fassungsvermögen zwischengespeichert, der  mit einem Durchmesser von etwa eineinhalb Metern einschließlich 25 Zentimeter Dämmung sehr platzsparend ist.

Der zentral platzierte und mit Lehm verputzte Speicher hat aber auch noch eine andere Funktion: Er ist ein Hingucker im Eingangsbereich, um ihn herum schlängelt sich die Treppe in das Obergeschoss.

Für die restliche Heizenergie sorgt ein Naturzug-Holzvergaserheizkessel, der im Wohnzimmer steht. Die Wärme des wasserführenden Holzofens wird zu einem Teil in den Raum abgegeben, zum größeren Teil aber für spätere Nutzung gespeichert. Über eine sanft temperierte Wandflächenheizung wird sie im Haus verteilt, und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im ersten Jahr brauchte die Familie nur rund einen Raummeter Holz zum Nachheizen.

Strombedarf eines Ein-Personen-Haushalts

Die Familie verbrauchte im ersten Jahr nur etwa 1.700 Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Üblicherweise werden etwa 4.200 Kilowattstunden Strom im Jahr für einen vierköpfigen Haushalt gerechnet.

Zu diesem niedrigen Stromverbrauch trägt zum einen die Haustechnik bei – die Raumtemperatursteuerung läuft stromlos über flüssigkeitsgefüllte Thermostate. Die Solar- und Heizungstechnik wird mit hocheffizienten Umwälzpumpen betrieben und es gibt auch keine Lüftungsanlage.

Zudem verzichten Anna und Nicolas Louchet auf gewisse Haushaltsgeräte: Einen Trockner, eine Gefriertruhe und einen Fernseher sucht man bei ihnen vergebens, und ein Handy wollen sie auch nicht.

Auf einen Blick – Daten & Fakten

Strohballenhaus / Einfamilienhaus am Chiemsee/Bayern

  • 186 qm Wohnfläche (beheizte Fläche)
  • Wohnfläche: Erdgeschoss 94,73 m² – Obergeschoss 91,89 m²
  • Außenmaße: 13,30 x 10 Meter
  • Bau von September 2014 bis August 2015
  • Norm-Gebäudeheizlast (berechnet): 5.818 W
  • Spezifischer Heizwärmebedarf pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche: 47,23 kWh/m²a bzw. 10.468 kWh/a absolut
  • Spezifischer Primärenergiebedarf pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche: 26,70 kWh/m²a bzw. 5.912 kWh/a absolut
  • Außenwände und Obergeschossdecke: U-Wert 0,14 W/m²K
  • Bodenplatte zu Erdreich: U-Wert 0,13 W/m²K

Strohballenhaus-Konzept / Baubiologie:

  • Holzständerbauweise mit Strohballen als Kerndämmung
  • Lehmputz und Lehmfarben
  • Zellulose ohne Druckerschwärze für die Dämmung des Bodens und des Pufferspeichers
  • Abgeschirmte Elektroinstallationen
  • Heimische Hölzer (Fichte, Lärche, Esche)

Sonnenhaus-Heizung:

  • 30 Quadratmeter Solarkollektoren
  • Neigungswinkel Solarfläche: 60 Grad
  • Solarer Deckungsgrad: ca. 60 – 70 Prozent

Источник: https://www.oekologisch-bauen.info/news/lehmbau/wohnen-im-strohballenhaus-zwischen-holz-stroh-und-lehm-179.html

Stroh statt Styropor? Klimaschonendes Bauen

Ein Haus aus Stroh und Holz – vom Abenteuer ökologischen Bauens auf dem Land

Die Baubranche sucht nach neuen Antworten auf die Klimakrise. Denn ein entscheidender Anteil aller Treibhausgase entsteht durch den Gebäudesektor.

Ökopioniere suchen neue Dämmstoffe

Die Prämisse der letzten Jahrzehnte hieß: Bestandsgebäude müssen gedämmt werden, um Energie zu sparen. Fast schon egal, womit. Das sehen Ökopioniere der Baubranche inzwischen anders. Sie setzen auf Dämmen und Bauen mit Stroh und Holz. Eine Bauweise, die es eigentlich schon seit Jahrhunderten gibt.

Die Vorteile beginnen schon vor dem Hausbau: Das Naturmaterial Stroh ist ein nachwachsender Rohstoff und bindet bereits beim Wachstum Kohlenstoff.

Ein Haus aus Stroh und Holz entlastet die Umwelt so um zwölf Tonnen CO2, ein konventionell gebautes belastet sie mit 42 Tonnen.

Und erst nach 15 Jahren in Betrieb hat ein Strohhaus die Energie verbraucht, die es allein zum Bau eines herkömmlichen braucht.

Vom nachhaltigen Baustoff gibt es zudem reichlich: In Deutschland bleiben rund 20 Prozent des geernteten Strohs ungenutzt. Damit könnten schon heute 700.000 Häuser gebaut werden.

Ein tolles Wohngefühl

Und wie fühlt es sich an, in einem strohgedämmten Haus zu leben? Die Begeisterung der Bewohner ist spürbar. Sie schwärmen vom neuen und natürlichen Wohngefühl. Dazu dämmt das Stroh das Haus sowohl in Sachen Wärme als auch in Sachen Lärm.

„Wenn Du hineingehst, der Duft vom Holz, das angenehme, warme Gefühl vom Lehm. Das ist das, was uns eigentlich sehr glücklich macht. Man merkt es erst einmal, wenn man woanders schläft und dann wieder daheim schläft: Man hat keinen trockenen Hals, man hat ein angenehmes, ein warmes Gefühl. Ich würde sagen: Wir sind generell entspannter.“ Andreas Tauer, Bewohner eines Holzstrohhauses in Unterach am Attersee

Vorurteil Stroh

Aber neben den Vorteilen gibt es auch Vorurteile beim Thema Strohbau: Stroh sei brennbar, es schimmle und sei zudem eine Delikatesse für Mäuse.

Diese „Kinderkrankheiten“ hat das natürliche Baumaterial aber längst überwunden. So wird beispielsweise durch Pressen der Halme die Luft herausgedrückt, das macht die Strohballen feuerfest – ganz ohne Chemie.

Erst recht, wenn sie mit Kalk und Lehm verputzt sind. Das haben Brandschutztests bewiesen.

„Stroh hat eine natürliche Silikatschicht außen rum und löscht sich von allein wieder, ohne dass es sich weiter entfacht. Die Platte hat keinen Sauerstoff mehr drin, das heißt, sie ist gebunden, gepresst wie ein Telefonbuch. Daher kann sich nichts mehr weiter entfachen.“ Johannes Eberlein, Leiter Produktmanagement und technischer Vertrieb, Maxit Group

Teurer – und ohne staatliche Förderungen

Noch gleicht das Bauen mit Stroh allerdings einem Abenteuer. Deutschlandweit gibt es schätzungsweise nur 40 Handwerker, die sich damit auskennen. Und pro Einfamilienhaus ist das Strohhaus um durchschnittlich 10.000 Euro teurer als ein konventioneller Bau.

Eine Förderung vom Staat gibt es derzeit für das ressourcenschonende Bauen mit Stroh nicht. Der Gesetzgeber konzentriert sich schon seit der Ölkrise in den 70er-Jahren einzig auf den Energieverbrauch von Häusern im Betrieb.

Die sogenannte „graue Energie“, die beim Herstellen des Baustoffs verbraucht wird und beim Entsorgen wird nicht miteinbezogen. Deshalb wird auch weiterhin mit Beton, Zement und Ziegelstein gebaut – und zusätzlich gedämmt.

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Es fehlt zudem an einer standardisierten Zulassung der ökologischen Bau- und Dämmmaterialien. Und so haben die Hersteller auf dem Markt schlechtere Karten: Der Aufwand für Zulassungen ist hoch, die oft kleinen Öko-Firmen sind im Nachteil.

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Und auch im neuen Gebäudeenergiegesetz gibt es zum Bauen mit ökologischen Baustoffen weder harten Vorgaben noch Anreize. Diese bleiben in die Zukunft verschoben.

Dämmen bleibt wichtig – aber natürlich

70 Prozent aller Häuser, die vor 1978 gebaut wurden, haben nach wie vor keine Fassadendämmung. Um die Klimaziele im Pariser Klimaabkommen 2050 zu erreichen, müsste die Sanierungsquote bei zwei Prozent liegen, derzeit liegt sie bei unter einem Prozent. Das bedeutet: Millionen Hausbesitzer müssen dazu animiert werden, ihre Fassaden nachzudämmen.

Die Dämmung der Bestandsgebäude bleibt also wichtig. Doch das geht auch ökologisch. Es gibt beispielsweise einen neuen Dämmstoff für Altbausanierungen aus minikleinen Glaskügelchen, der aufgespritzt wird und vollständig recycelbar ist. Und es gibt das nachhaltige Pendant zur Styroporplatte: die Strohplatte.

Styropor – zu Unrecht verurteilt?

Doch was ist mit der konventionellen Dämmstoffindustrie? Sie fühlt sich zu Unrecht in die Schmuddelecke gestellt: Styropor verkörpert die Sünden der Vergangenheit wie kaum ein anderes Material. Dabei wurde es – erfunden in den 50er-Jahren – millionenfach verbaut.

Bis in die 2000er-Jahre wurde der Stoff aus Erdöl als praktisch und für jeden erschwinglich gefeiert, dann geriet er 2015 unter Beschuss. Die EU verbot die darin enthaltenen giftigen Brandschutzmittel. Die Entsorgung: ein Dauerthema.

Der Verband hält dagegen und argumentiert: Durch die Anwendung von Styroporplatten seien in den letzten Jahrzehnten immerhin Tonnen von Treibhausgasen gespart worden, weil sie Heizenergie am Entweichen gehindert haben.

Außerdem habe man die Sünden der Vergangenheit mittlerweile hinter sich gelassen und neue Verfahren erfunden. Man setze nun auf innovatives Recycling: Alle Inhaltsstoffe der neu entwickelten Styropor-Dämmplatten könnten wiederverwertet werden, auch das giftige Brom.

Ab Mai soll eine gigantische „Styropor-Waschmaschine“ in den Niederlanden anlaufen, 15 Nationen sind beteiligt. Tatsächlich vielleicht eine Lösung für die 3.

000 Tonnen europäischer Dämmstoffabfälle jährlich? Die konventionellen Dämmstoffhersteller feiern diesen neuen Styropor als einzigen Dämmstoff, der eine geschlossene Kreislaufwirtschaft hat.

Das hat aber Holz und Stroh auch, sogar noch konsequenter. Stroh ist ein bestechend einfacher, sinnlicher Baustoff. Doch hat er wirklich das Zeug, ein Bau- und Dämmstoff der Zukunft zu werden?

Das Leuchtturm-Projekt „Haus St. Wunibald“

Das Kloster Plankstetten in der Oberpfalz will das größte Strohholzhaus Süddeutschlands bauen. Hinter den 300 Jahre alten denkmalgeschützten Klostermauern soll das neue dreistöckige Haus St. Wunibald entstehen: für Gäste, Pfarrverwaltung und einen Kindergarten.

Ein echtes Leuchtturm-Projekt – und ein Vorhaben, das zu den Benediktinermönchen passt: Plankstetten gilt als „grünes Kloster“, hier ist man beseelt von der Idee eines schöpfungsnahen, nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen. Gebaut wird dementsprechend mit eigenem Feldstroh, das direkt vor Ort zu Baumaterial verpresst wird.

Das Bauholz wird aus den klostereigenen Wäldern gewonnen und bei einem Zimmerer aus der Region verarbeitet.

Источник: https://www.br.de/nachrichten/bayern/stroh-statt-styropor-klimaschonendes-bauen,SJGzMM6

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