Kalkputz: Vorteile, Nachteile und Tipps zur Verarbeitung

Verarbeitung von Tadelakt Erfahrungsbericht über das Verarbeiten von wasserfestem Kalkputz

Kalkputz: Vorteile, Nachteile und Tipps zur Verarbeitung

„Wir machen im Grunde genommen nichts anderes als das, was Maler und Stuckateure schon vor Jahrhunderten gemacht haben“, sagt Kreidezeit-Geschäftsführer Gerd Ziesemann und meint damit, dass alle Produkte des Unternehmens wie früher aus natürlichen mineralischen Bestandteilen gemischt werden. In Marokko entdeckte Gerd Ziesemann gemeinsam mit Ulrich Bettentrup Mitte der 1990er Jahre einen Kalkputz, den die dortigen Handwerker mit einem kleinen Stein und Seife so sehr verdichteten, dass er wasserfest wurde.

Lesen Sie hier, wie die Kreidezeit Naturfarben gegründet wurde

Marokkanischer Kalkputz

Wieder zurück in Deutschland sahen sich die beiden Handwerker Baustellen an, auf denen der Kalkputz Tadelakt bereits verarbeitet wurde. „Das war eine Katastrophe. Der Putz fiel großflächig wieder von der Wand“, erinnert sich Gerd Ziesemann.

Selbst bei korrekter Verarbeitung konnte man mit der in Marokko abgebauten Putzmischung damals keine Qualität erzielen, die hierzulande akzeptiert werden würde. Also experimentierte man am Firmensitz in Sehlem mit eigenen Mischungen. Herausgekommen ist dabei ein Putz, der verarbeitungsfreundlich den hiesigen Ansprüchen und der hierzulande geforderten Gewährleistung entspricht.

„Unser Tadelakt ist bewusst nicht das marokkanische Original“, resümiert Gerd Ziesemann den Entwicklungsprozess selbstbewusst.

Abtönen von Tadelakt mit Pigmenten

Tadelakt ist von Natur aus hellbeige. Es lässt sich jedoch in vielen Farben mit kalkechten Pigmenten abtönen.

Hierzu nimmt man bis zu 10 Gewichtsprozent Pigmentpulver auf die zu verarbeitende Tadelaktmenge und rührt dieses mit wenig Wasser zu einer klumpenfreien Masse an.

Bei Titanweiß und reinen Eisenoxidpigmenten sollte man nicht mehr als 5 Gewichtsprozent verwenden. Bei Titanweiß erleichtert ein Tropfen Spülmittel die Benetzung des feinen Pigmentpulvers mit dem Wasser.

Anmischen des Tadelakts mit Pigmentpulver

Die Pigmentpaste wird direkt ins Anmachwasser für den Putz gegeben. Für den Kalkputz berechnet man auf 1 kg Tadelaktpulver 0,3 bis 0,35 Liter Wasser. Das Tadelaktpulver wird dem Anmachwasser nach und nach zugegeben.

Die Masse mit einem auf die Bohrmaschine gesteckten Rührquirl oder besser noch mit einem Rührgerät von Collomix durchrühren. Danach muss die Tadelaktmasse eine halbe Stunde lang sumpfen.

Vor dem Auftragen wird sie noch einmal durchgerührt und sollte dann innerhalb von 8 bis 10 Stunden verarbeitet werden.

Auftragen des Tadelakt-Kalkputzes

Der Putzauftrag erfolgt in zwei Schichten mit der Venezianerkelle. Hierzu wird die Tadelaktmasse in Korndicke (je Schicht etwa 1 mm) glatt aufgezogen. Der Auftrag der zweiten Schicht erfolgt, nachdem die erste angezogen ist.

Man verbraucht dabei etwa 2,5 kg pro Quadratmeter. Die zweite Schicht sollte mit der Kelle bereits gut vorverdichtet werden, damit der nachfolgen­de Arbeitsgang nicht so mühe­voll ist.

Zum Verdichten wird die Kelle leicht gekantet unter hohem Druck in langen, leicht geschwungenen Bewegungen über den Putz geführt.

Verdichten des Tadelakts mit Stein

Die Verdichtung der Putzoberfläche verleiht dem Tadelakt die besondere Wirkung und Haptik und ist der wichtigste Arbeitsschritt. Im Gegensatz zum Stuccolustro, bei dem man zur Verdichtung die Kelle verwendet, nimmt man beim Tadelakt einen Stein.

Auch die Berber in Marrakesch verwenden Steine, die mit der Zeit durch die Benutzung immer glatter, besser und wertvoller werden. Hierzulande kann man glatte Kieselsteine mit einem Durchmesser von etwa 8 cm nehmen, die aus einem möglichst harten Gestein, zum Beispiel Basalt oder Achat, bestehen sollten.

Besser geeignet ist jedoch ein von Kreidezeit entwickelter Polierstein aus Hartkeramik, mit dem sich der Druck auf die Putzoberfläche mit kleinen kreisenden Bewegungen gut übertragen lässt.

Verdichten, bis Polierstein einen hellen Ton erzeugt

Die Verdichtung mit dem Polierstein sollte allerdings erst dann erfolgen, wenn die zweite Putzschicht bereits angezogen ist. Gleitet der Polierstein noch wie auf Glatteis über die Oberfläche und hinterlässt dabei Schlieren, ist der Putz für die Verdichtung noch nicht bereit.

Erst wenn die Oberfläche der kreisenden Handbewegung einen allmählich wachsenden Widerstand entgegen setzt, kann das Tadelakt und damit die kleinen Poren in der Oberfläche verdichtet werden. Hierzu sollte man einige Zeit einplanen. Erst wenn die Bewegung des Poliersteins auf der Tadelaktoberfläche einen hellen Ton erzeugt, ist das Tadelakt ausreichend verdichtet.

Man sieht es (vor allem seitlich unter Streiflicht) auch an der nun hoffentlich spiegelnden Oberfläche.

Seifen

Im letzten Arbeitsgang wird Glättseife mit einem weichen Pinsel aufgetragen und anschließend mit dem Polierstein in die Putzoberfläche eingerieben. Es dauert eine Weile, bis eine spiegelglatte Oberfläche entsteht.

Aber die Arbeit lohnt sich: Mit diesem abschließenden Arbeitsgang hat das Tadelakt seine besondere Wirkung und Haptik be­kommen und ist Dank der Reaktion der Seife mit dem Kalk zudem vollkommen wasser­dicht geworden.

Seine endgültige Härte und B­e­last­bar­keit erreicht Tadelakt aller­­dings erst nach etwa vier Wochen.

Tadelakt auf Kalk- und Kalk-Zementputz

Da das bei Kreidezeit hergestellte Tadelakt neben korn­abgestuftem Quarzsand, Marmor­mehl, Ton, Asche, Diatomeen­erde und Cellulose natürlichen hydraulischen Kalk als Bindemittel enthält, empfiehlt sich die Verarbeitung auf Kalk- und Kalk-Zementputz. Auf Putzschienen sollte man dabei verzichten.

Die Oberfläche der Putze sollte nicht zu glatt ausgeführt werden, sondern scharf mit der Kelle oder der Kartätsche abgezogen oder mit dem Rabot abgehobelt sein. Der Putz muss nicht unbedingt, wie hierzulande üblich, mit der Kartätsche eingeebnet sein.

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Zum häufig durchaus gewollten marokkanischen Ambiente passen leicht wellige, nur mit der Kelle bearbeitete Putze. Zudem sollten alle Ecken möglichst abgerundet werden, da sich die spätere Verdichtung des Tadelakts an spitzen Kanten recht schwierig gestaltet.

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Bei einer Sanierung sollte ein nicht tragfähiger Altputz abge­schlagen oder mit der Sanierungsfräse entfernt und durch einen neuen Kalk- oder Kalkzementputz ersetzt werden.

Tadelakt auf Holzwolleplatten, Porenbetonsteinen und Ton

Anstatt im Trockenbau den Untergrund aus Gipskarton- oder Gipsfaserplatten herzustellen, sollte der Handwerker mit magnesitgebundenen Holzwolleplatten (Heraklith) als Putzträger arbeiten. Hierauf wird zweilagig Kalkputz 15 bis 20 mm dick aufgetragen, der vollflächig mit Ge­webe armiert werden sollte.

Gleiches gilt für Porenbeton­steine, aus denen man auch Waschbecken oder sogar Badewannen herausschneiden und -raspeln und anschließend mit Tadelakt wasserdicht beschichten kann. Hier wird als vorbereitende Arbeit neben dem zuvor beschriebenen Kalkputzauau möglicherweise eine Aurennsperre erforderlich.

Auf Tongegenstände wie Schalen kann Tadelakt nach dem Wässern direkt aufgebracht werden.

Tadelakt auf Gipskarton-, Gipsfaser- und Zementbauplatten

Sind bereits Gipsfaser-, Gipskarton- oder Zementbauplatten vorhanden, kann auch auf diesen Tadelakt verarbeitet werden. Allerdings sind folgende Vorarbeiten notwendig:

Zunächst wird auf Gipskarton- und Gipsfaserplatten mit einem breiten Pinsel eine Kaseingrundierung gestrichen. Diese kann bei Zementbauplatten und zementbeschichteten Polystyrol Hartschaumplatten (wedi) entfallen.

Danach werden zwei Schichten Kalkhaftputz mit der Glättkelle in Korndicke (also jeweils etwa 2 mm) glatt aufgezogen. In die erste Schicht wird im noch feuchten Putz ein feinmaschiges Armierungsgewebe eingedrückt.

Auf den getrockneten Kalkhaftputz kann Tadelakt wie auf anderen Kalkputzen nach dem Vornässen aufgetragen werden. Alternativ kann (vor allem im Bad) auch Fliesenkleber als Haftgrund aufgekämmt und rau stehen gelassen werden.

Auf Haftgründen lässt sich Tadelakt mangels Feuchtigkeitspuffer allerdings schlechter glätten und polieren. Deshalb trägt man auf den durchgetrockneten Fliesenkleber eine Schicht Tadelakt auf, die über Nacht trocknen soll. Darauf wird am nächsten Tag wie auf neuem Putz gearbeitet.

Tadelakt auf alten Fliesen verarbeiten

Selbst auf alte Fliesen lässt sich nach Vorbehandlung Tadelakt auftragen. Hierzu müssen die Fliesen zunächst gründlich mit Alkohol oder Sodalauge gereinigt werden.

Dann wird entweder GekkkoSOL Vollkorn von Kreidezeit oder ein Flexfliesenkleber als Haftgrund auftragen. Letztere muss horizontal aufgekämmt werden.

Wenn diese Schicht vollständig durchgetrocknet ist, wird eine Schicht Kalkhaftputz mit vollflächiger Armierung aufgezogen, die ebenfalls mehrere Tage durchtrocknen soll. Darauf kann Tadelakt direkt aufgetragen werden.

Vorbereitende Arbeiten im Bad

Soll Tadelakt im Bad verarbeitet werden, was sich wegen der wasserfesten Putzoberfläche anbietet, muss im Spritzwasserbereich von Dusche und Badewanne auf Gipskartonplatten zuvor zusätzlich eine wasserdichte Grundabdichtung hergestellt werden.

Dies kann beispielsweise mit PCI Seccoral 1K als Abdichtung erfolgen: Diese wird zunächst mit einer Zahnkelle (6 x 6 mm) aufgetragen und eingeglättet. Nach Trocknung er­folgt mit dem gleichen Material ein Schlämmanstrich. Solange dieser nass ist, wird mit Bayosan MultiContakt MC 55W von Baumit verputzt.

Nach Trocknung kann hierauf Tadelakt aufgetragen werden.

Anschlusspunkte

Nach der Untergrundvorbereitung muss man sich vor allem im Bad hinsichtlich der Anschlusspunkte der Tadelaktflächen an andere Bauteile (zum Beispiel Dusch- oder Badewanne und Fliesen) Gedanken machen.

Damit an dem mit viel Arbeit hergestellten Tadelakt später keine Risse entstehen, sollte der Anschluss der Putzfläche an andere Materialien konstruktiv entkoppelt werden.

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Dies erreicht man zum Beispiel mit einer Fliesenabschlussschiene aus Kunststoff oder besser Edelstahl, die man vor Beginn der Tadelaktarbeiten im Abstand von etwa 8 mm zum Bauteil mit Fliesenkleber befestigt.

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Die Fuge zwischen der Schiene und dem Dusch-, Badewannen- oder Fliesenrand kann dann mit üblichem Sani­tärsilikon geschlossen werden. Kann oder soll keine solche Abschluss­schiene verwendet werden, sollte für den dauer-elastischen Anschluss Natursteinsilikon genommen werden, damit es nicht zu Ver­­­färbungen des Tadelakts kommt.

Verarbeitung von Tadelakt: Fazit

Insbesondere dann, wenn in einem Bad wasserdichte Wandf­lächen ohne Fliesen hergestellt werden sollen, bietet sich Tadelakt als natürliche, dampfdiffusionsoffene Abdichtung an. Auch Waschbecken lassen sich damit erstellen.

Nicht nur das Material selbst, sondern auch die Optik und Haptik sind natürlich: Die Wand wirkt wie eine von fließendem Wasser glatt gewaschene Stein­ober­fläche mit leichter Wellung und Marmorierung aufgrund der unterschiedlichen Verdichtung im Material.

Hierzulande wurden bereits rund 150 000 m2 in der ursprünglich marokkani­schen Putztechnik ausgeführt. Es bleibt zu hoffen, dass es Dank qualifizierter Handwerker noch weitaus mehr werden.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau in Gütersloh.

Источник: https://www.bauhandwerk.de/artikel/bhw_Tadelakt_Erfahrungsbericht_ueber_die_Ausfuehrung_von_wasserfestem_Kalkputz_85839.html

Lehmputz oder Kalkputz: Ein Vergleich

Kalkputz: Vorteile, Nachteile und Tipps zur Verarbeitung

Sowohl Lehm- als auch Kalkputze werden seit vielen Jahrhunderten angewendet. Die Chinesische Mauer ist nur ein Beispiel dafür, wie langlebig und robust Kalkmörtel als Baustoff ist.

Auch Lehmgebäude können uralt und bei richtiger Bauweise beliebig groß und stabil errichtet werden: Die Stadt Shibam im Jemen trägt wegen ihrer bis zu neunstöckigen Lehmziegelhäuser den Beinamen „Chicago der Wüste“, und auch hierzulande leben Millionen Menschen in Lehmgebäuden, z. B.

in Fachwerkhäusern, deren Holzkonstruktion durch Lehmauskleidungen stabilisiert und vor Umwelteinflüssen geschützt wird.

Kalkputz © LeitnerR, fotolia.com

In der Wirtschaftswunderzeit wurden traditionelle Lehm- und Kalkputze zunehmend durch industrielle Baustoffe und Beschichtungssysteme verdrängt.

Doch der Trend zur ökologischen und nachhaltigen Bauweise hat die „Urputze“ zurück auf den Markt gebracht – zum Glück, denn Lehm- und Kalkputz haben viele günstige Eigenschaften.

Gerade weil beide Putzarten natürlich, umwelt- und klimafreundlich, wohngesund und schön sind, fällt es Bauherren und Sanierern oft schwer, sich für Lehm- oder Kalkputz zu entscheiden.

Ökologisch sanieren mit Lehmputz und Kalkputz

Lehm- oder Kalkputz … oder vielleicht beides?

Lehmputz und Kalkputz gehören zu den mineralischen Putzen. Denn obwohl beide auch organische Bestandteile enthalten können, ist ihre Basis – das Bindemittel – anorganisch, nämlich Sand. Lehmputz besteht hauptsächlich aus Sand, Lehm und Ton, Kalkputz aus Sand und Kalk bzw. Kalkstein.

Beide werden vor allem wegen ihrer feuchtigkeitsregulierenden, erfrischenden und gesundheitsfördernden Wirkung geschätzt und können, sofern sie richtig angewendet werden, das Wohnklima erheblich verbessern. Lehmbaustoffe punkten aus ökologischer Sicht zusätzlich, da sie wiederverwendbar sind.

Lehmputz © pic-unique, fotolia.com

Grundsätzlich können Lehmputz und Kalkputz auch kombiniert werden. Weil Lehmputz generell weicher ist als Kalkputz, stellt er dabei meist die obere Schicht im Putzsystem dar. Wird ein härterer bzw.

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schlagfesterer Putz auf einen weicheren aufgetragen, können sich eher Risse bilden – fragen Sie also sicherheitshalber einen Fachmann, ob und wie sich Unter- und Oberputz „vertragen“. In alten Häusern (z. B. Fachwerkhäusern) findet sich oft eine Lehmputz- auf einer Kalkputzschicht.

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Die Standardtechnik dabei ist, den fertigen und durchgetrockneten Kalkputz gut vorzunässen, dann mit Lehmschlemme (Lehmgrundierung) vorzustreichen und den Lehmputz auf die noch feuchte Schlemme aufzutragen.

Hinweis: Ist das Grundieren eines stark saugenden, kreidenden oder sandenden Untergrunds notwendig, entscheiden Sie sich für eine möglichst baustoffähnliche und schonende Grundierung, z. B. Kalkmilch für Kalkputz und Lehmschlemme für Lehmputz.Stark saugenden, kreidenden oder sandenden Untergrund Grund möglichst baustoffähnlich grundieren

Wichtig zu wissen ist zudem, dass Kalk- und Lehmputz sich nicht chemisch miteinander verbinden, sondern nur mechanisch an- oder aufeinander haften können.

Sie müssen dem Oberputz also helfen, auf dem Unterputz zu haften – bei Lehmziegeln (Lehmsteinen) etwa durch Auskratzen der Fugen, so dass der Kalkputz sich darin festhalten kann.

Auch das Aufrauen der Putzoberfläche mit einem Kratz- oder Nagelbrett und das Anfeuchten bzw. Vornässen des Untergrunds verbessern die Haftung.

Alte Farbschichten, Staub und organische Verbindungen müssen vor dem Auftragen einer neuen Putzschicht sorgfältig entfernt werden.

So verhindern Sie Haftungsprobleme und Abbindestörungen, die vor allem bei unsachgemäß verarbeiteten Kalkputzen häufig Probleme bereiten.

Und wenn Sie Kalkputz auf Lehmputz auringen, verputzen Sie sorgfältig und dicht, damit später keine Feuchtigkeit durch die Kalkschicht in den Lehm eindringen kann. Denn feuchter Lehm quillt auf, und das lässt die Kalkputzschicht rissig werden oder abplatzen.

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Chemische Grundierungen (z. B. Tiefgrund) sind weniger empfehlenswert, da sie die Oberfläche verstopfen oder versiegeln und so die günstigen Eigenschaften des Putzes einschränken, aufheben oder sogar ins Gegenteil verkehren können.

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Nicht nur bei Lehm- oder Kalkputz, sondern allgemein beim Innenausbau gilt: Verzichten Sie lieber auf handelsübliche Billig- bzw. Allgemeingrundierungen.

Diese Produkte können zwar nützlich sein, doch zwingend erforderlich sind sie höchst selten, und gesünder arbeiten Sie immer ohne sie.

Kalk und Lehm für ökologisches Bauen, Sanieren und Renovieren

Die Kombination von Lehm- und Kalkputz im selben Haus, aber an verschiedenen Wänden oder in verschiedenen Zimmern, ist überhaupt kein Problem. So ist der hoch alkalische Kalkputz wegen seiner wohngesunden Anti-Schimmel-Wirkung auch für Feuchträume (z. B.

Bad oder Keller) geeignet, während Lehmputz weder wasser- noch schimmelfest ist und daher vor Nässe geschützt werden muss. Lehm- und Kalkputze regulieren die Feuchtigkeit im Raum, indem sie überschüssiges Wasser bzw.

Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen und bei trockenerer Luft wieder abgeben.

Kalk- und Lehmputze eignen sich sowohl zur Verwendung in neuen Öko-, Niedrigenergie- oder Passivhäusern als auch zur Altbausanierung oder energetischen Sanierung denkmalgeschützter Bauten.

Bei thermischen Sanierungen kann Kalk eine Alternative zum luftdichten Einpacken und Überdämmen des Hauses sein.

Viele Bauherren greifen auf den traditionsreichen Baustoff zurück, wenn es darum geht, die Auflagen des Gebäude-Energie-Gesetzes (GEG) so umweltgerecht und wirtschaftlich wie möglich zu erfüllen.

Wand verputzen © kasto, fotolia.com

Bei Allergikern, Familien mit Kindern und gesundheitsbewussten Renovierern sind Lehm- und Kalkputze darüber hinaus beliebt wegen ihrer Fähigkeit, Schadstoffe aus der Luft aufzunehmen und in harmlose Stoffe umzuwandeln. So kann der Putz sogar Nikotingeruch, Küchendunst oder Gerüche von Haustieren neutralisieren.

Beide Putze können Sie grundsätzlich auch als Heimwerker verarbeiten.

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Allerdings sollten Sie dafür zumindest schon einige Grunderfahrung mit dem Verputzen haben – und nicht vergessen, dass Lehm- oder Kalkputz sowohl bei der Auswahl als auch bei der Verarbeitung höhere Ansprüche stellen als handelsübliche Alleskönner wie Haftputzgips oder Spachtelmassen.

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Vor allem bei der Verarbeitung von Kalkputz müssen Sie sich außerdem sorgfältig vor Haut- und Augenkontakt schützen – das feuchte Material ist aufgrund seiner chemischen Eigenschaften sehr aggressiv zur Haut.

Kalkputz und Lehmputz – Vor- und Nachteile

Pro und Contra richtig abwägen

In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Eigenschaften, Anwendungsbereiche, Vor- und Nachteile von Kalk- und Lehmputz übersichtlich aufgelistet:

KalkputzLehmputz
EinsatzbereicheInnen- und AußenbereichInnenbereich
Ausführungenals Unter- und Oberputzals Unterputz, Oberputz oder Dekorputz
Mögliche UntergründeMauerwerk (innen und außen),

Beton,

Gipsputze,

Gipskarton- und Gipsfaserplatten,

Naturstein,

Kalksandstein,

Bimsstein,

Klinker,

Lehm (z. B. Lehmbauplatten, Lehmsteine, Lehmputze)

Beton,

Gipskarton- oder Gipsfaserplatten,

Naturstein,

Klinker,

Kalksandstein,

Lehm (z. B. Lehmsteine, Lehmbauplatten),

Holz (z. B. Leimholzplatten, OSB-Platten)

Vorteilediffusionsoffen,

geruch- und schadstofindend,

brand- und schallhemmend, feuchtigkeitsregulierend,

gute Wärmespeicherung,

desinfizierend und keimtötend,

pilz- und schimmelresistent,

wirksamer Schutz vor Ungeziefer,

robust und langlebig,

widersteht Umwelteinflüssen und Chemikalien

diffusionsoffen,

geruch- und schadstofindend (auch gegen Zigarettenrauch oder Küchendunst),

brand- und schallhemmend, feuchtigkeitsregulierend,

gute Wärmespeicherung,

Schutz vor elektrostatischer Aufladung,

natürliche Inhaltsstoffe ohne künstliche Zusätze

Nachteilehöherer Preis

nicht so schnell zu verarbeiten

empfindlich gegen direkte oder dauerhafte Nässe,

geringere Härte und Schlagfestigkeit

Kosten20-80 Euro/m22-12 Euro/m2

Hinweis: Weil Lehmputz verhältnismäßig weich ist, brechen beim Bohren von Löchern leichter Stücke heraus. Seien Sie daher bei nachträglichen Installationen besonders vorsichtig – und halten Sie stets ein wenig Trockenmaterial für Reparaturen oder Ausbesserungsarbeiten zurück.Da lehmputz sehr weich ist nur vorsichtig bohren

Kalkputz: Die Rezeptur muss stimmen

Vor allem bei Kalkbaustoffen wie Kalkputz spielt die Rezeptur eine entscheidende Rolle. Hier sollten Sie sich auf jeden Fall von einem herstellerunabhängigen Experten beraten lassen, am besten von einem Stuckateur bzw. Meisterbetrieb, der viel Erfahrung mit dem Mischen und Verarbeiten von Kalkputzen hat.

Denn als unerfahrener Verbraucher können Sie weder die Unmenge der möglichen Zusatzstoffe (von Öl und Kunstharz über Zement, Hüttensand, Marmor und Ton bis hin zu Zellulose und chemischen Bindemitteln) überblicken noch deren Eigenschaften und Mengenverhältnis richtig zuordnen und bewerten.

Leider machen sich viele Hersteller diesen Umstand zu Nutze und bieten vermeintlich günstige Rezepturen an, die später Probleme verursachen und daher sehr teuer werden können.

Putz anmischen © beugdesign, fotolia.com

Auch die vielen unterschiedlichen Bezeichnungen der handelsüblichen Trocken- und Fertigmischungen sind für Laien sehr verwirrend. Lassen Sie sich die Unterschiede, z. B. zwischen Kalkputz, Luftkalkputz und Kalkspachtel, verständlich erklären, und fragen Sie den Stuckateur, nicht den Hersteller, welches Produkt für Ihr Haus oder Ihre Wohnung am besten geeignet ist und warum.

Hinweis: Ein guter Kalkputz mit einem guten Kalkanstrich ist teuer, da gibt es nichts zu diskutieren. Preise von 70 bis 100 Euro pro Quadratmeter Wand sind durchaus möglich, wenn Sie in puncto Qualität und Verarbeitung auf Nummer sicher gehen wollen. Zuviel sparen ist hier auch nicht empfehlenswert, denn minderwertiger oder falsch verarbeiteter Kalkputz kann erhebliche Probleme verursachen, z. B. schimmlige, dauerfeuchte oder zerbröckelnde Wände.

Welche Farbe passt zum Kalkputz?

Kalkputz verträgt sich nur mit wenigen Anstrichsystemen richtig und dauerhaft gut. Falsche Farbbeschichtungen verhindern die Karbonatisierung des Putzes, blockieren somit dauerhaft dessen Trocknung (sowohl nach innen als auch nach außen) und machen ihn auch anfälliger gegenüber Hitze und Frost.

Farbenwahl © djama, fotolia.com

Verwenden Sie auf Kalkmörtel oder Kalkputz ausschließlich Kalkfarben oder Kalk-Kasein-Farben. Die sind vom Grundstoff her ähnlich und daher für Kalkuntergründe perfekt geeignet.

Ungeeignet für Kalkputze sind hingegen wasserabweisende Silikatfarben oder kunstharzbasierte Farben, da diese wie Kapillar- bzw. Dampfsperren wirken und die Feuchtigkeitsregulierung verhindern.

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Bei diffusionsoffenen Farben ist ebenfalls Vorsicht geboten, denn die lassen unter Umständen zu viel Feuchtigkeit oder Kondenswasser eindringen, und das kann zu Rissen im Kalkputz führen.

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Denken Sie daran, dass Sie mit nur einem falschen Farbanstrich Ihren schönen Kalkputz komplett ruinieren können, so dass z. B.

Farbe und/oder Putz wieder abplatzen oder die Wand nie richtig trocken wird. Lassen Sie sich von fröhlich-unverbindlichen Herstellerangaben (z. B.

„für alle Untergründe“) nicht verführen, sondern fragen Sie auch hier vorher besser einen herstellerunabhängigen Experten um Rat.

Hinweis: Neben der Zusammensetzung und Basis der Farbe sind auch das richtige Verdünnungsverhältnis und die Schichtstärke wichtig. Hier gilt: Nicht zu stark verdünnen, sondern lieber den Untergrund stärker vorfeuchten – und bei der Farbdicke die „Vierkornregel“ beachten:

Maximale Korngröße des Kalkputzes x 4 = maximale Schichtstärke des Anstrichs.

(Rechenbeispiel: Bei einer Kalkputz-Korngröße von 0,5 mm sollte die Farbschicht insgesamt nicht dicker sein als 2 mm.)

Putz überstreichen: Die Vierkornregel beachten

Lehmputz überstreichen

Auch bei Lehmputzen gilt: Am besten fahren Sie mit Lehmfarben, da diese dem Baustoff ähnlich sind und sich darum am besten damit vertragen.

Anspruchsvollere Gestaltungsvarianten wie das Beschichten mediterraner Wände mit Wachs erfordern eine tiefergehende Beschäftigung mit den Materialien – und gegebenenfalls eine Beratung durch den Fachmann, um Verarbeitungsfehlern, Enttäuschungen und Spätschäden vorzubeugen.

Источник: https://www.sanier.de/malerarbeiten/putz/lehmputz-oder-kalkputz-ein-vergleich

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