Strom bringt Neubau ins Plus

Energiesparhaus: Vor- und Nachteile einer energieeffizienten Bauweise

Strom bringt Neubau ins Plus

Als Energiesparhaus werden Häuser bezeichnet, die einen geringen Energiebedarf ausweisen. Dazu zählen sowohl Neubauten als auch aufgerüstete Altbauten. Ziel ist es, den Energieverbrauch möglichst gering zu halten und eine ökologische und energetische Bauweise zu fördern.

Wer heute einen Hausbau plant, ist sogar verpflichtet, energieeffizient zu bauen. Das schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) seit 2002 vor. Als Richtlinie gelten die Werte zum Primärenergie- und der Heizwärmebedarf. So darf der jährliche Primärenergiebedarf von 121 kWh pro Quadratmeter nicht überschritten werden.

Der Heizenergiebedarf muss zwischen 40 und 80 kWh pro Jahr und Quadratmeter liegen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass alle Haustypen, die seit 2002 gebaut wurden, Energiesparhäuser sind. Neubauten, die nach 2002 nach den energieeffizienten Standards der EnEV errichtet wurden, werden Niedrigenergiehaus genannt.

Niedrigenergiehäuser erfüllen die Anforderungen der EnEV zu 100 Prozent.

Altbauten, die zwar nachgerüstet werden, jedoch nicht die vorgegebenen Werte der EnEV erreichen, gelten als Energiesparhaus. So ist jedes Niedrigenergiehaus ein Energiesparhaus, aber nicht jedes Energiesparhaus ist auch ein Niedrigenergiehaus.

Ersparnisrechnung

Durch eine energieeffiziente Bauweise schonen Sie nicht nur Ihre Umwelt, Sie senken auch Ihre Energiekosten und sparen damit eine Menge Geld dabei. Um dies zu verdeutlichen gehen wir von zwei Haustypen aus.

Die eine Immobilie ist ein Altbau, die andere ein Neubau. Beide Häuser haben eine Wohnfläche von 120 Quadratmetern, die mit Öl beheizt wird.

Ein Liter Heizöl kostet 70 Cent, wobei 10 kWh rund einen Liter Öl verbrauchen.

 AltbauNeubau
Jahresverbrauch Heizenergie300 kWh30 kWh
Kosten pro Jahr2.520 €252 €
Mehrkosten2.268 €0 €

Die Ersparnis der Energiekosten ist deutlich erkennbar. Eine Immobilie, die nach den Standards der EnEV errichtet wurde, benötigt nur noch ein Zehntel der Energie, die ein Altbau aus den 50er bis 70er Jahren verbraucht. Damit werden 2.268 Euro jährlich eingespart, die wiederum in eine Baufinanzierung investiert werden können.

Planung eines Energiesparhaus

An ein Energiesparhaus werden besondere Anforderungen gestellt, damit ein hohes Maß an Energie eingespart werden kann. Dabei ist es wichtig, bereits bei der Planung eines Neubaus bestimmte Faktoren wie den Standort oder die verwendeten Baumaterialien einzubeziehen.

  • Ein Energiesparhaus weist eine kompakte Bauweise auf, damit ein Energieverlust möglichst verhindert wird. Durch Erker, Vorsprünge oder Gauben geht Energie häufig verloren. Wenn Sie jedoch nicht ganz darauf verzichten möchten, sollten Wintergärten und Co. gut isoliert werden.
  • Große Fensterflächen nach Süden sorgen im Winter für einen ausreichenden Lichteinfall, sowie einen warmen Innenraum. Im Sommer spendet ein Vorsprung über den Fenstern genügend Schatten und hält den Innenraum kühl.
  • Die Bauteile werden luft- und winddicht verarbeitet, damit die Energie nicht verloren geht. So entstehen quasi hauseigenen kleine Kraftwerke.
  • Leitungen von Heizung und Warmwasser müssen gedämmt werden.
  • Eine lückenlose Wärmedämmung verhindert, dass Wärmeenergie aus dem Haus entweicht. Daher sollten die Außenwände mindestens zwölf Zentimeter gedämmt werden, während die Dämmung der Innenwände mindestens acht Zentimeter beträgt.
  • Da Wärme nach oben steigt, ist eine Dämmung des Daches unerlässlich. Hier sind mindestens 20 Zentimeter Dämmung empfehlenswert.
  • Wer einen Keller besitzt, sollte die Dämmung der Kellerdecke nicht vernachlässigen. Sie schützt gegen die Kälte aus dem Erdreich und verhindert so einen eiskalten Fußboden.

Sie sehen, bereits mit kleinen baulichen Veränderungen oder Maßnahmen verhindern Sie einen Wärmeabfluss aus dem Haus. So lassen sich bereits bis zu 50 Prozent der Energie einsparen.

Energiesparhaus: Baumaterialien

Eine energiesparende Bauweise hört nicht bei der Form des Hauses auf.

Heutzutage gibt es eine große Auswahl an Baumaterialien, die nachhaltig und ökologisch sind und eine hohe Energieeffizienz einer Immobilie damit bestens unterstützen.

Die verwendeten Materialien sorgen zudem für ein angenehmes Wohnklima. Bereits mit kleinen Ausbesserungen beispielsweise in Altbauten kann der Energieverbrauch gesenkt werden.

  • Zweifach-verglaste Fenster verfügen über eine 50 bis 60 Prozent verbesserte Dämmwirkung. Bei einer Wärmeschutzverglasung können zusätzlich noch einmal 50 Prozent eingespart werden.
  • Mit Dämmplatten aus Polystyrol oder Holzfasern reduziert sich der Energieverlust um 80 Prozent.
  • Rollädenkästen können auch nachträglich gedämmt werden.
  • Außenwände lassen sich mit Hanf, Schafwolle oder Kork dämmen.
  • Hohle Außenwände und Geschossdecken werden mit Zellulose gedämmt.
  • Durch die Lüftungsanlage für Zu- und Abluft wird verbrauchte Luft gegen Frischluft ausgetauscht. Dabei wird Wärme der abgehenden Innenluft entzogen und der einströmenden Außenluft zugeführt.

Der Trend geht deutschlandweit hin zu einer energieeffizienten Bauweise. Mit den beschriebenen Baumaterialien lässt sich zwar keine Energie erzeugen, sie tragen jedoch dazu bei, dass die Umwelt geschont und erneuerbare Energien Ihren größtmöglichen Output erzielen.

Arten der Energiesparhäuser

Auf der Suche nach Hinweisen zu einem Energiesparhaus stoßen wir immer wieder auf Begriffe wie „Passivhaus“, „Plusenergiehaus“ oder auch „Nullenergiehaus“.

Alle drei Arten erfüllen den Anspruch an ein Energiesparhaus durch eine energieeffiziente Bauweise.

Sie unterscheiden sich jedoch untereinander noch einmal durch einige wenige Merkmale, die natürlich auch Auswirkung auf die Kosten für ein Haus haben können. 

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Ein Passivhaus zeichnet sich als Energiesparhaus dadurch aus, dass es seine Energie passiv, also indirekt gewinnt.

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Die Wärme, die über das Jahr benötigt wird, erreicht es durch Sonneneinstrahlung, Körperwärme der Bewohner sowie den im Energiesparhaus vorhandenen technischen Geräten wie Fernseher und Hi-Fi-Anlage. Es ist so gut gedämmt, dass es eigentlich keine Heizung benötigt.

Für besonders kalte Tage gibt es jedoch eine Notheizung, die mithilfe der Energie, die die Sonnenkollektoren auf dem Dach erzeugen, gespeist wird. Die Anforderungen an ein Passivhaus sind streng. Der jährliche Heizwärmebedarf darf 15 kWh pro Quadratmeter nicht überschreiten.

Mit den Zahlen aus unserer Beispielrechnung werden für 15 kWh 1,5 Liter Heizöl benötigt. Bei 70 Cent pro Liter entstehen etwas über einem Euro Heizölkosten pro Quadratmeter und Jahr für ein Passivhaus. 

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Energiegehalt in einem Energiesparhaus liegt bei 6 bis 10 Litern Heizöl. Das sind 60 bis 100 kWh Heizwärmebedarf pro Quadratmeter und Jahr. Daraus ergeben sich wiederum zwischen 4,20 und 7 Euro Heizölkosten pro Quadratmeter und Jahr.

In einem Passivhaus werden folglich etwa 75 Prozent der Heizenergie im Vergleich zu einem üblichen Neubau eingespart.

Durch die nahezu selbstregulierende Klimatisierung des Hauses kühlt es im Sommer und wärmt im Winter. Dadurch wird eine hohe Behaglichkeit erreicht, die zusätzlich für ein Passivhaus spricht. Eine kontrollierte Wohnraumbelüftung sorgt dafür, dass schlechte Gerüche und Feuchtigkeit nach außen gelangen und die vorgewärmte Frischluft in die Räumlichkeiten gelangt. 

Ein Nullenergiehaus ist ein Haus, das genau so viel Energie produziert, wie es verbraucht. Die Energie wird über eine Photovoltaik-Anlage gewonnen und in einem Speicher gelagert.

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Wird Energie also zu einem späteren Zeitpunkt gebraucht, kann sie aus dem Lager zur Verfügung gestellt werden. Ein Energiesparhaus in dem maximal Energiekosten gespart werden.

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 Da in einem Null-Energiehaus die Energie direkt vor Ort erzeugt wird, um die Heizung, Warmwasser oder die zum Leben benötigten Quellen zu speisen, sind im Grunde genommen keine zusätzlichen Ressourcen nötig.

Dennoch besteht natürlich die Möglichkeit, die Energie auch aus anderen Quellen zu gewinnen. Damit entstehen über das Jahr gerechnet nur sehr geringe Heizkosten. Bei diesem Modell eines Energiesparhauses sorgt ein Wärmetauscher für ausreichend Frischluft.

Ein Plusenergiehaus bezeichnet ein Energiesparhaus, das wesentlich mehr Energie erzeugt als es verbraucht und fällt damit in die Kategorie: Energiesparhaus. Es wird in der Regel südseitig gebaut, damit über die hohe Sonneneinstrahlung der größtmögliche Output gewonnen werden kann.

Großflächige Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach können zwischen 1.500 und 3.000 kWh mehr Solarstrom im Jahr erzeugen als für den Eigenbedarf benötigt wird. So sind Sie unabhängig von den stetig steigenden Strompreisen und tragen zur Energiewende bei.

Die nachfolgend aufgeführten Anforderungen sind ebenfalls typisch für ein Plusenergiehaus:

  1. Eine Solarthermie auf dem Dach gewinnt Energie, um das Wasser im Haus aufzuwärmen.
  2. Eine Dreifach-Verglasung vor allem an der Südseite des Hauses hält die Wärme im Haus. Die natürliche Sonneneinstrahlung erhellt den Wohnraum.
  3. Das Haus ist sehr gut gedämmt, um Energieverluste zu vermeiden.
  4. Ein Lüftungssystem tauscht permanent die verbrauchte Luft von innen gegen Frischluft von außen aus.
  5. Ein Dachüberstand schirmt die Sonne im Sommer ab, lässt die Sonne im Winter jedoch hindurch.
  6. Eine sparsame Fußbodenheizung, energiesparende LED-Beleuchtung und energieeffiziente Haushaltsgeräte halten den Energieverlust gering.

Das Plusenergiehaus kann mit seinen Eigenschaften als Energiesparhaus auch als ein kleines eigenes Kraftwerk bezeichnet werden, da es so konzipiert ist, dass es nicht nur den eigenen Haushalt energetisch stemmt.

Die überschüssige Energie kann gespeichert werden, um auch an sonnenschwachen Tagen oder Jahreszeiten davon zu zehren.

Wird sogar so viel produziert, dass ein immenser Überschuss entsteht, kann die Energie ins lokale Netz eingespeist und entsprechend vergütet werden.

Energiesparhaus: Vor- und Nachteile im Überblick

  • Weniger Betriebskosten durch Energieeinsparung.
  • Teilweise autonome Energieversorgung.
  • Haushalte sind unabhängig von immer knapper werdenden Ressourcen.
  • Höhere Verkaufschancen zu besseren Preisen, da sich gut gedämmte Häuser besser verkaufen lassen.
  • Besseres Wohnklima aufgrund von natürlichen Baumaterialien.
  • Energieeinspeisung ins lokale Stromnetz bringt zusätzliche Kosten ein.
  • Bezuschussung durch die KfW.
  • Hohe Initialkosten sowohl für einen Neubau als auch für die Aufrüstung eines Altbaus.
  • Um Schimmelbildung in den Innenräumen zu vermeiden ist eine Lüftungsanlage zwingend erforderlich.
  • Die Kosten für die Lüftungsanlage sind sehr hoch. Die Wartung, Instandhaltung und gegebenenfalls eine Neuanschaffung sind ebenfalls mit hohen Kosten verbunden.
  • Nicht sachgemäß ausgeführte Wärmetauscher können Legionellen fördern, die durch die Lüftungsanlage direkt in die Atemwege gelangen.

Kosten für ein Energiesparhaus

Im Vergleich zu einem „normalen“ Haus müssen Sie für ein Energiesparhaus mit höheren Kosten rechnen, da bereits die Dämmung aufwändiger oder ein mehrfach verglastes Fenster mit höheren Kosten verbunden ist.

Je energieeffizienter Sie also Bauen oder Sanieren möchten, desto höher sind die Kosten für Ihre Immobilie.

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Schwebt Ihnen als Energiesparhaus ein Passivhaus, ein Nullenergiehaus oder ein Plusenergiehaus vor, die zum Teil mit einer Solarthermie oder einer Photovoltaikanlage ausgestattet sind, gehen die Kosten in die Höhe.

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Grobe Schätzungen rechnen mit 10 bis 20 Prozent Mehrkosten im Vergleich zu anderen Neubauten. Abhängig von den verwendeten Materialien und den energieeffizienten Geräten können die Kosten jedoch auch stark variieren. Daher ist es ratsam, sich vorher verschiedenen Angebot einzuholen und sie miteinander zu vergleichen.

KfW-Förderung für Gebäude nach Energiestandard

Die Kreditanstalt für Wiederauau (KfW) bietet eine Reihe von Förderprogrammen an, um denjenigen unter die Arme zu greifen, die energieeffizient Bauen oder Sanieren wollen. Um eine KfW-Förderung zu erhalten, muss das Energiesparhaus gewissen Standards unterliegen, die die KfW festgelegt hat.

Als Grundlage dienen die Angaben zum Primärenergiebedarf sowie der Transmissionswärmeverlust eines Hauses. Der Primärenergiebedarf gibt die Energiemenge an, die benötigt wird, um das gesamte Haus mit Energie zu versorgen.

Der Transmissionswärmeverlust zeigt auf, wie viel Wärme bei einer beheizten Immobilie nach außen verloren geht. Diese Werte liegen auch der EnEV zugrunde, an denen sich die KfW orientiert. Ein KfW-Effizienzhaus 100 entspricht beispielsweise zu 100 Prozent den Vorgaben der EnEV.

Für die KfW gilt: Je kleiner die Kennzahl, desto höher die Förderung, da der Energiebedarf mit kleinerer Kennzahl sinkt.

KfW-Effizienzhäuser 40, 40 plus und 55 für Neubauten

Die Standards KfW-Effizienzhaus 40, 40plus und 55 gelten für Neubauten und benötigen jeweils nur noch 40 oder 55 Prozent der Energie im Vergleich zu einem KfW-Effizienzhaus 100.

Das KfW-Effizienzhaus 40 plus besitzt zusätzlich noch Geräte zur Stromerzeugung sowie eine Lüftungsanlage, um eine stetige Belüftung zu gewährleisten.

Wird mehr Energie als benötigt erzeugt, kann diese in einem Speicher gelagert werden.

KfW-Effizienzhäuser 55, 70, 85, 100, 115 und Denkmal für Bestandsimmobilien

Die Kennzahlen der einzelnen KfW-Effizienzhäuser geben jeweils den Energiebedarf der Immobilien im Vergleich zu einem KfW geförderten Effizienzhaus 100 an, die sie nach einer Sanierung mit entsprechenden Maßnahmen benötigen.

Ein durch die KfW geförderte Energiesparhaus 70 benötigt demnach vergleichsweise nur noch 70 Prozent der Energie, während der Energiebedarf bei einem KfW-Effizienzhaus 115 die Vorgaben der EnEV, an denen sich auch die KfW orientiert, sogar noch überschreitet.

Wie bereits oben erwähnt, können auch Altbauten durch eine energetische Sanierung erheblich an Kosten für Strom und Heizung gespart werden. Eine angemessene Dämmung oder Zweifach-verglaste Fenster können bereits dazu beitragen, dass über 20 Prozent an Energie eingespart werden, was sich für Sie positiv auf Ihre Betriebskosten auswirkt.

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Mit dem KfW-Programm 151/ 152 – Energieeffizient Sanieren gewährt Ihnen die KfW dabei einen Zuschuss von bis zu 27.500 Euro. Planen Sie Ihr denkmalgeschütztes Gebäude ganz oder teilweise zum Energiesparhaus mit der KfW gefördert umzubauen, werden Sie dabei von der KfW mit bis zu 50.000 Euro für eine Teilsanierung und mit bis zu 100.

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000 Euro für eine Komplettsanierung gefördert.

Источник: https://www.drklein.de/energiesparhaus.html

Kraftwerk Neubau eines Plusenergiehauses in Leonberg

Strom bringt Neubau ins Plus

Steigende Strompreise, hohe Ausgaben für Heizung und Warmwasser, teures Benzin – Tanja Fisch kann das nicht mehr erschrecken, denn sie ist Selbstversorger.

Das Haus, das sie mit Mann und zwei Kindern bezogen hat, produziert rund 50 Prozent mehr Strom, als es insgesamt für die Raumheizung, Warmwasser, Beleuchtung, Lüftung, Informations- und Kommunikationstechnik sowie für den Betrieb von Haushaltsgeräten benötigt.

Der über diesen Eigenbedarf hinaus produzierte Strom wird weitgehend für das Aufladen eines Elektroautos und eines E-Rollers eingesetzt. Nur eine geringe Menge der selbst produzierten Energie wird nicht genutzt und ins öffentliche Stromnetz eingespeist.

Kommt es vor, dass die Familie mal mehr Strom benötigt, als das Haus produziert, kann das Defizit aus dem Netz gedeckt werden.

Plusenergie-Wohnhaus auch für Forschungszwecke

Entwickelt wurde das Konzept, in dessen Mittelpunkt die Eigennutzung des solar erzeugten Stroms zur Entlastung des öffentlichen Netzes steht, von Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch.

Er plante das Haus für seine Tochter nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus seiner Tätigkeit als Professor am Institut für Gebäude- und Solartechnik an der TU Braunschweig.

Zudem nutzt der Energiedesigner es für Forschungszwecke: Das Gebäude ist mit entsprechender Mess- und Gebäudeleittechnik ausgestattet, die systematisch Werte zur wissenschaftlichen Auswertung unter realen Nutzungsbedingungen liefert. Die Ergebnisse fließen in die weitere Forschung ein.

Lage und Ausrichtung des vom Architektenbüro Berschneider + Berschneider für ein rund 900 m² großes Hanggrundstück entworfene Gebäude entsprechen dem energetischen Anspruch.

Während die Nord-, West-, und Ostseite des schlichten, von einem Pultdach gekrönten Kubus nur durch wenige Fenster gegliedert werden, öffnet sich die Südseite mit einer großzügigen Fensterfront zum Tal hin.

Dahinter sind die Wohnräume des Einfamilienhauses angeordnet, das insgesamt über eine Wohnfläche von 267 m² verfügt.

Im Erdgeschoss liegen die raumhoch verglasten Kinderzimmer sowie ein Gästezimmer, im Obergeschoss befindet sich hier der großzügige, durchgehende Wohn-, Ess- und Kochbereich. Nebenräume wie die Badezimmer, der Wirtschafts- und Haustechnikraum, aber auch das Elternschlafzimmer befinden sich auf der Nordseite im rückwärtigen Teil des Gebäudes.

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Errichtet wurde das Haus in Massivbauweise mit einem 20 cm dicken WDVS. Die hochwärmedämmende Gebäudehülle sorgt für den notwendigen Wärmeschutz ebenso wie die Dreifachverglasung der Fenster. Beim Bau wurde besonders auf eine wärmebrückenreduzierte und luftdichte Ausführung geachtet, um Wärmeverluste über die Außenbauteile weitgehend zu reduzieren.

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Lüftungswärmeverluste minimiert der Einsatz einer kontrollierten Lüftung. Eine elektrische Wärmepumpe mit Erdsonden, die 100 m tief in die Erde gebohrt wurden, sorgt für Heizwärme. Über einen 800 Liter Pufferspeicher ist die Fußbodenheizung und die Trinkwasserversorgung angebunden.

Entscheidend für den optischen Eindruck des Hauses ist das Pultdach mit 17° Neigung, das die Schlichtheit des kompakten Kubus zusätzlich unterstreicht.

Die rund 120 m² große Fläche ist fast vollständig mit einer 15-Kilowatt-Peak-Photovoltaik-Anlage und einer etwa 7 m² großen solarthermischen Kollektoranlage belegt. Das Dach ist mit 22 cm Mineralfaser und 5 cm extrudiertem Polystyrol-Hartschaum gedämmt.

Der raumseitige Abschluss erfolgte in Trockenbauweise mit Fermacell greenline Gipsfaserplatten. Insgesamt erreicht die Dachkonstruktion einen U-Wert von 0,12 W/m²K.

Wohngesunder Innenausbau

„Da die hohen Ansprüche, die für uns bei der Konzeption des Hauses maßgebend waren, auch das Thema Wohngesundheit betreffen, “ so Professor Fisch, „haben wir uns entschieden, den Trockenbau mit Fermacell greenline auszuführen.

“ Damit kam nicht nur für die Haustechnik, sondern auch für den Innenausbau ein Produkt zum Einsatz, das dem neuesten Stand der Forschung entspricht. Die Neuentwicklung bindet über eine spezielle beidseitige Beschichtung mit einem natürlichen Wirkstoff, der auch in der Schafwolle vorkommt, Schadstoffe wie Formaldehyd aus der Raumluft.

Der Wirkmechanismus wurde im Rahmen von Testserien unter anderem durch das unabhängige eco-Institut in Köln geprüft und bestätigt. Verantwortlich für den Effekt ist ein spezifisches Molekulargemisch auf Keratinbasis, das in Form einer beidseitigen Grundierung der Platten Anwendung findet.

Das Wirkprinzip ist dabei sehr einfach: Im ersten Schritt lagern sich Schadstoffmoleküle an der Oberfläche lose an, um dann – auch durch Oberbeläge hindurch – in tiefere Schichten einzudringen, wo sie dauerhaft chemisch gebunden und umgewandelt werden.

Raumseitig wurde die gesamte Deckenfläche mit Fermacell greenline beplankt. Die Montage der großformatigen Platten (12,5 x 3000 x 1250 mm) erfolgte auf einer Holz-Unterkonstruktion.

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Die Verarbeitung verlief wie bei klassischen Gipsfaserplatten: Die Platten konnten ohne Spezialwerkzeuge durch Ritzen, Brechen, Sägen, Fräsen oder Bohren bearbeitet und auf der Holzunterkonstruktion einfach und zeitsparend mit Klammern befestigt werden. Für die Fugen kam die Systemkomponente Fermacell greenline Fugenkleber zum Einsatz.

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Der Kleber ist kennzeichnungsfrei und muss nicht mit dem R40-Satz „Verdacht auf krebserzeugende Wirkung“ gekennzeichnet sein. Die Decke wurden abschließend mit einem diffusionsoffenen Spachtel bearbeitet.

Auch im Fußbodenbereich verarbeiteten die Handwerker Fermacell greenline als Trockenestrich. Die Bodenelemente bestehen aus einer doppelten Lage von 2 x 10 mm greenline sowie einer 10 mm dicken Holzfaserkaschierung. Die Verarbeitung erfolgte ebenfalls analog zu den klassischen Estrichelementen des Herstellers mit dem zum System gehörenden, kennzeichnungsfreien Estrichkleber.

In Trockenbauweise wurden auch die Funktionsräume sowie das Bad im Erdgeschoss ausgebaut. Da hier jedoch mit erhöhter Feuchtigkeit zu rechnen war, entschloss sich der Bauherr für den Einsatz von Fermacell Powerpanel H2O.

Die beidseitig mit einem alkaliresistenten Glasfasergewebe armierten Leichtbeton-Platten mit Sandwichstruktur sind diffusionsfähig (Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl 56), schimmelpilzresistent und vor allem widerstandsfähig gegen Wasser. „Hier war uns die Feuchtigkeitsresistenz wichtig,“ erklärt Professor Fisch.

„Fermacell Platten passen grundsätzlich gut zu unserem wohngesunden Konzept, da sie durch ihre hohe Umweltverträglichkeit unsere Qualitätsanforderungen einwandfrei erfüllen.“

Erste Erfahrungen mit dem Netto-Plusenergiehaus

Gut ein Jahr wohnt Tanja Fisch jetzt bereits mit ihrer Familie in dem von ihrem Vater konzipierten Netto-Plusenergiegebäude und – alle fühlen sich wohl.

Mittlerweile liegen auch die ersten Verbrauchsergebnisse vor: Demnach lag der Stromverbrauch der Familie im vergangenen Jahr für den Gebäudebetrieb, die Wohnnutzung und die Elektromobilität bei rund 9026 kWh/a, insgesamt produzierte das Haus eine Strommenge von 16274 kWh/a. „Es macht einfach Spaß,“ freut sich Tanja Fisch, „so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.“

Autorin

Rita Jacobs M.A. führt ein PR-Büro mit Schwerpunkt Bau und Architektur in Düsseldorf. Sie arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Zeitschrift bauhandwerk.

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Das Haus produziert eine Strommenge von insgesamt 16 274 kWh/a, verbraucht aber nur rund 9026 kWh/a

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Источник: https://www.bauhandwerk.de/artikel/bhw_Kraftwerk_1458014.html

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