Warum ich in keinem Altbau wohne

Altbau oder nichts: Warum viele meinen, dass an Dielenboden und Stuck kein Weg vorbeiführt

Warum ich in keinem Altbau wohne

Ein riesiges Eckzimmer mit Kronleuchter, Zierleisten rundum, gewaltige Türen, gefühlt doppelt so hohe Decken wie in meiner eigenen Butze, und das alles für eine lächerliche Kaltmiete. So war das Mitte der Nullerjahre, als ich zum ersten Mal auf eine WG-Party in Leipzig eingeladen war. Ich hatte vorher gar keine Vorstellung davon, was das eigentlich sein soll: eine Altbauwohnung.

Seitdem sind 15 Jahre vergangen, ich kenne Leute, die erfolgreich Bücher schreiben oder leitende Funktionen in der Medienbranche haben, und wenn die auf nach einer neuen Behausung suchen (typischerweise, weil sie von Hamburg nach Berlin ziehen oder umgekehrt), dann muss es eigentlich immer eine Altbauwohnung sein.

Der Eindruck drängt sich auf, dass so eine Wohnung das Ideal des Wohnens überhaupt ist, weswegen sich alle, die die Möglichkeit haben, auch eine unter den Nagel reißen. Die hyggeligen Arbeitszimmer- und Küchentischfotos von Akademiker- und Journalistenbekanntschaften lassen im Hintergrund gern schnörkelige Türfüllungen und himmelhohe Fenster erkennen.

Sucht man im Netz nach entsprechenden Begriffen, findet man Blogartikel mit langen Liebeserklärungen an den Altbau oder auch die verzweifelte Frage eines frustrierten Users in einem Forum von Elitepartner, warum Altbauwohnungen eigentlich „der Traum aller Frauen“ seien.

Ich hatte auch schon mindestens einmal die Diskussion, warum man eigentlich heute nicht mehr so baut.

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Warum gibt man den Leuten denn nicht, was sie wollen? Alle wollen Altbau! Man könnte dem konservativen Schriftsteller Martin Mosebach beipflichten, der 2010 gesagt hat: „In unserer Gegenwart will ja eigentlich niemand eine andere als eine Gründerzeitwohnung haben.“

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Das ist die zweite Folge meiner Architekturserie. In der ersten Folge hatte ich euch gefragt, worüber ich als Nächstes schreiben soll. Gewonnen hat – selbstverständlich – der Altbau. Gut, ihr wolltet es ja so. In diesem Artikel erfahrt ihr, warum man sich Altbaufassaden aus dem Katalog aussuchen konnte, warum man heute nur noch niedrige Decken baut und, ja, warum alle in den Altbau wollen.

Wenn wir Altbau sagen, meinen wir Gründerzeit

Ein Siedlungshäuschen von 1952 ist inzwischen auch schon ein alter Bau, aber wenn wir heute „Altbau“ sagen, meinen wir normalerweise nicht das, sondern wir meinen „Gründerzeit“.

Und was ist nun dieses Objekt der Begierde, die Gründerzeitwohnung? Die eigentliche Gründerzeit dauerte von Januar 1871 bis Mai 1873.

Sie war ein Wirtschaftsboom nach der Ausrufung des Kaiserreichs, in dem in Preußen jährlich vierzehnmal mehr Aktiengesellschaften gegründet wurden als direkt zuvor – daher der Name. Heute steht „Gründerzeit“ umgangssprachlich für den Bau- und Einrichtungsstil privater Gebäude zwischen 1870 und 1900.

In dieser Zeit wurde enorm viel und schnell gebaut. Die Städte übersprangen ihre Festungsgürtel, die angesichts von Krupp-Kanonen und Dynamit sinnlos geworden waren. Die vor den Toren entstandenen Bahnhöfe lagen plötzlich mitten in der Stadt.

Inbegriff von „Gründerzeit“ ist der große Berliner Mietskasernengürtel zwischen der Linie der ehemaligen Zollmauer (das war die Stadtmauer im 19. Jahrhundert) und dem S-Bahn-Ring. Dazu gehört unter anderem der heutige Berliner Bezirk Prenzlauer Berg.

Auf diese charakteristische Art wurde aber europaweit gebaut, und es entstanden nicht nur eng aneinandergepresste Mietshäuser, sondern auch Viertel mit freistehenden Häusern und die vielen Villen in Hanglage, die das Stadtbild von Heidelberg oder Jena prägen.

Man baute schnell und aus billigem Backstein, daher wurden die Wände verputzt und immer auch verziert. Dazu dübelte man vorgefertigte Stuckelemente aus dem Katalog an, deren Form sich an historischen Vorbildern orientierte. Sie bestanden meist aus einfachem Gips.

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Während in der Renaissance Lehrbücher beschrieben, wo in einer Fassade man welche antiken Stilelemente platzieren sollte, gingen die Baumeister der Gründerzeit nach Mode und Kassenlage vor. Ihre Planung war derartig Pi mal Daumen, dass den Bauanträgen nur selten Zeichnungen beilagen, die der späteren Gestaltung entsprachen.

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Eine endlos weitergegebene Anekdote aus Berlin berichtet, dass einmal ein Polier gefragt haben soll: „So, der Rohbau ist fertig, welcher Stil soll denn nu ran?“ Im folgenden Video könnt ihr verschiedene Gesimse, Pilaster, Säulen und Fensterumrandungen, Rosetten, Kartuschen und wie die Bauteile alle heißen, an Gründerzeithäusern in Leipzig-Plagwitz sehen:

Was für uns neben den verzierten Fassaden „Altbau“ schlechthin ausmacht, ist die Raumhöhe. Auf einer normalen Stehleiter kommt man in einer Gründerzeitwohnung oft nicht einmal mit dem Pinsel an die Decke.

Während Neubauten meist wenig über das übliche gesetzliche Minimum von 2,40 Meter hinausgehen, sind in Altbauten 3,50 Meter keine Seltenheit. Und auch die Innenräume sind mit Stuck aus dem Katalog dekoriert.

Im folgenden Video seht ihr ein Zimmer in einer Leipziger Altbauwohnung mit der typischen Rosette in der Deckenmitte, wo früher das Rohr für die Gaslampe austrat, und Zierleisten ringsum:

Die hohen Decken beeindruckten Versicherungsgutachter

Hohe Decken und Stuck – warum war der Massenwohnungsbau des 19. Jahrhunderts so großzügig? Die Antwort ist: Es gab ganz pragmatische Gründe dafür. Stuck und hohe Decken imitierten die hochherrschaftlichen Schlösser und Paläste des Adels aus dem 18. Jahrhundert.

Vor allem aber ging es um die Einstufung der Gebäude in der gesetzlichen Feuerversicherung. „Hochherrschaftliche Bauten“ waren die Spitzenklasse.

Je näher man ihnen kam – und das wurde eben über hohe Decken und verzierte Fassaden umgesetzt –, desto höher der geschätzte Versicherungswert (die sogenannte Brandklasse) und desto höher auch der mögliche Hypothekenkredit.

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Der Bauherr profitierte also doppelt: Möglichst große Ähnlichkeit zu Adelspalais beeindruckte zahlungskräftige Mieter; außerdem beeindruckte sie den Versicherungsgutachter. Das brachte einen höheren Beleihungswert und erleichterte so die Kreditbeschaffung.

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Nebenbei hatten hohe Decken noch andere Vorteile: Die tiefen Zimmer, die Fenster nur an einer Seite hatten, wurden so besser ausgeleuchtet. Der große Luftbedarf durch Gasbeleuchtung und Ofenheizung mag auch eine Rolle gespielt haben. „Hohe Decken“ ist dabei übrigens relativ. Meist gibt es die gewaltigsten Deckenhöhen im ersten Stock, der sogenannten Beletage.

Nach oben und unten wird es niedriger. Da es keine Aufzüge gab, waren die Wohnungen in den oberen Stockwerken nicht mehr an die bessere Gesellschaft zu vermieten.

Gerade für Berlin war es daher besonders typisch, dass vorne in den Häusern wohlhabende Familien lebten, darüber und darunter sowie in den lichtarmen Wohnungen im Hinterhaus Kleinbürger und einfache Arbeiter.

Warum baut man nun heute nicht mehr so? Das hat ein ganzes Bündel von Gründen.

Der Geschmack veränderte sich schnell. Die Fassaden wurden schlichter, oft mit Kontrasten aus Klinker, Stein und Putz, Ornamente wurden abstrakter, Balkone kommen auf. Schaut euch an, wie es im Jenaer Damenviertel aus der Zeit um die Jahrhundertwende aussieht:

Nach dem Weltkrieg und der Hyperinflation 1923 sind dann die Vermögen vernichtet. In der Gründerzeit hatten ausschließlich private Bauherren gebaut.

Ab den Zwanzigerjahren wird der Staat Bauherr, und der hatte mit seinem sozialen Wohnungsbau weder finanziell noch ideologisch etwas dafür übrig, den Adel zu imitieren. Der Zugang zur frischen Luft wird außerdem wichtig.

Früher waren Verzierungen das dominierende Element einer Mietshausfassade – jetzt sind es die Balkone, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ausstattung und Technik werden in Wohnungen wichtiger als Stuck und Ornamente

Gleichzeitig bekommen Wohnungen immer mehr Technik. 1880 waren Etagen-WC, Ofenheizung, ein einsamer Kaltwasserhahn in der Küche und Gasbeleuchtung noch Stand der Technik. Dreißig Jahre später kann eine Wohnung der bürgerlichen Oberschicht schon mit Bad, WC, Kalt-, Warm-, Abwasser- und Elektroinstallation ausgestattet sein, in Ausnahmen sogar mit Zentralheizung und Telefon.

Bis heute hat sich diese Tendenz gehalten: Investoren, die für Mieter attraktiv bauen wollen, stecken ihr Geld eher in Balkone und Terrassen, hochwertige Böden, Technik wie Fußbodenheizung und Videosprechanlage und teure Bäder mit abgefahrenen Designer-Duscharmaturen aus dem Schwarzwald. Sie stecken es nicht in Stuck oder Ornamente.

Aber: Warum wollen trotzdem weiterhin alle im Altbau wohnen? Ich bin stolzer Plattenbewohner und muss sagen: Altbauten haben objektive Nachteile. Groß, hellhörig und zugig, mit knarzenden Dielenböden und winzigen, nachträglich irgendwie eingebastelten Badezimmern.

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Ich kenne Leute, die ihre Gründerzeitwohnungen ausschließlich mit Stehlampen beleuchten, weil es so halsbrecherisch ist, an die Decke zu kommen. Aber selbst das ist nicht einfach, weil es meistens nur wenige Steckdosen gibt.

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Und von Nebenkosten und Umweltaspekten wollen wir gar nicht erst reden.

Der deutsche Traum: „Town & Country Flair 113“

Warum also? Die schockierende Antwort: Es stimmt überhaupt nicht. Es wollen nicht alle im Altbau wohnen. Überhaupt nicht.

Verschiedene Studien kommen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass die erdrückende Mehrheit der Deutschen vom Einfamilienhaus träumt: Am besten in einer ruhigen, aber gut angebundenen Randlage einer mittleren Großstadt. Das wohl meistgebaute Haus Deutschlands ist das „Town & Country Flair 113“.

Man kann hier wirklich keine Tendenz zu besonders viel Dekoration und Schnörkeln erkennen. Bei Mietwohnungen sind den Deutschen Balkon, Badewanne und Lage wesentlich wichtiger als Stuck; und bei Eigentumswohnungen ist Neubau weit beliebter als Altbau.

Als ich davon schrieb, dass „alle“ in einer Altbauwohnung wohnen möchten, meinte ich nicht die Gesamtbevölkerung, sondern eine Teilgruppe. Die eigentlich interessante Frage ist: Wer sind die Altbau-Anhänger? Und warum sind sie so sichtbar? Dazu habe ich keine harten Daten, aber ein paar Vermutungen.

Zunächst: Von Altbau dominierte Stadtteile sind häufig gut gelegen, belebt und haben eine gute Infrastruktur. Das macht sie bei Leuten beliebt, die im Restaurant gerne nochmal eine Runde bestellen, ohne darauf schauen zu müssen, wann der letzte Nachtbus fährt.

Diese Art von Lebensqualität hat aber nichts damit zu tun, ob Häuser stuckverzierte Beletagen haben oder nicht.

Das zeigt ein Blick nach Köln: Lindenthal und Ehrenfeld, um nur zwei Beispiele herauszugreifen, sind begehrte und als lebenswert geltende Viertel, aber die Gebäude stammen aus der Nachkriegszeit (Lindenthal wurde im Zweiten Weltkrieg zu 85 Prozent zerstört, in Ehrenfeld sah es auch nicht viel besser aus).

Im Altbau wohnen heißt auch: dagegen sein

Schwerer wiegt vermutlich: Die Gründerzeitwohnung war zwar jahrzehntelang Massenwohnungsbau, aber von 1918 bis ungefähr 1990 fand gänzlich anderer Massenwohnungsbau statt – Nachkriegs-Zeilenbauten, Hochhäuser, Platte Ost und West, geförderte Einfamilienhaus-Baugebiete am Stadtrand.

In der Nachkriegszeit war es also noch cool, individuell und nonkonform, in einem Bungalow mit Panoramafenstern wohnen zu wollen. Der belgische Chansonnier Jacques Brel singt in „Ces gens-là“ davon, aus der spießigen Bürgerfamilie in „ein Haus mit haufenweise Fenstern, mit fast keinen Wänden“ flüchten zu wollen.

Aber seit den Siebzigerjahren bedeutet dagegen sein, wieder in die vernachlässigten Altbauwohnungen zu ziehen.

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Sie waren in den Metropolen bis in die Neunzigerjahre wesentlich unbeliebter als heute, die Mieten niedriger und die großen Wohnungen WG-geeignet. Viele, die heute in akademischen Berufen tätig sind, haben ihre Studienzeit in Altbauten verbracht.

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Gleichzeitig ist der Renommierwert einer gut sanierten Gründerzeitwohnung nach wie vor hoch, so dass Professoren oder Anwälte, die im Altbau wohnen, altmodische Repräsentation und Reminiszenzen an ihre eigene wilde Zeit miteinander verbinden können.

Dazu passt, dass Wohnungen im akademischen Milieu heutzutage selbst bei Gutverdienern oft irgendwie unfertig und studentisch eingerichtet sind. Die schicke Altbauwohnung bedient möglicherweise das Bedürfnis, sich, obwohl arriviert, dennoch ein bisschen rebellisch, urban und cool zu fühlen – in gewisser Weise ist sie die Harley-Davidson unter den Wohnformen.

Gleichzeitig haben schrabbelige Altbauwohnungen ihren Nimbus als studentisch und individualistisch bis heute nicht verloren, und man findet sie gehäuft an den Orten, wo junge Akademiker sich ohnehin am wohlsten fühlen.

Das Geheimnis der Gründerzeitwohnung ist also vermutlich: Sie unterstützt die Personen, die am besten Publicity für sie machen können – großstädtische Akademiker in Medien und Kreativwirtschaft –, über ihre ganze Biographie hinweg in ihrem Bemühen um Coolness und Repräsentation.

Wegen der hohen Decken kann man sich instagrammable Bücherwände mit Leitern bauen. Und man kann ganz wunderbar Elektrogerätekartons oben auf den Schränken lagern. Das sollte man auch nicht unterschätzen.

Vielen Dank an Familie Schotte, die mich in ihre Wohnung gelassen hat!

Redaktion: Philipp Daum; Schlussredaktion: Susan Mücke; Fotoredaktion: Martin Gommel.

Источник: https://krautreporter.de/3254-altbau-oder-nichts-warum-viele-meinen-dass-an-dielenboden-und-stuck-kein-weg-vorbeifuhrt

7 Argumente gegen Altbauwohnungen (und warum man dort trotzdem wohnen möchte)

Warum ich in keinem Altbau wohne
Viele Leute, die ich kenne, leben in Altbauwohnungen. Oder suchen eine Altbauwohnung. Oder träumen davon. Aber warum ist das so? Eigentlich gibt es genügend Gründe, dort nicht zu wohnen…

1. Im Altbau gibt es keine rechten Winkel.

Nirgends. Das kann speziell bei der Möblierung uncool sein.

2. In Altbauwohnungen birgt jedes Bohren in die Wand eine Überraschung.

Bei unserer Wohnung ist es so, dass Bohrlöcher innerhalb der selben Wand Bohrstaub in unterschiedlichen Farben haben können. Rot wie der Backstein, grau wie der Fugenmörtel, anderes grau wie anderer Mauerstein…das liegt wohl daran, dass unser Geschoss im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut wurde.

Scheinbar mit allem, was irgendwie zu finden war an Baumaterial. Das führte zu extrabreiten Fugen, die zum Teil wohl auch mit Kieseln gestopft wurden, denn ab und zu ist es auch einfach unmöglich mit dem Bohrer auch nur einen Millimeter weiter zu kommen.

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Das merkt man natürlich erst, nachdem die ersten 5cm quasi reibungslos zu bohren waren…

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Außerdem habe ich noch die These, dass bei einem gewissen Gebäudealter x und einer durchschnittlichen Mieterzahl y jede Stelle der Wand irgendwann mal gebohrt und wieder verspachtelt worden sein müsste… Die Unbekannten habe ich noch nicht ermittelt (ich bin sehr schlecht in Mathe, aber super im Thesen aufstellen).

3. Es gibt keine schalldichten Türen/Wände/Decken.

Altbauwohnungen sind hellhörig. Sowohl intern, als auch zu den Nachbarn. Ich weiß es nicht genau, aber die “Schallentkopplung von Bauteilen” wurde wohl erst später erfunden oder für notwendig erachtet.

Wo in Neubauten Fußböden schwimmend, also ohne direkten Kontakt zum Rohbau, verlegt werden, ist das im Altbau ganz anders. Bei unseren Nachbarn ist es sogar so, dass der Dielenboden zur Nachbarin durchläuft und die Wohnungstrennwand einfach obendrauf gemauert wurde.

Der Schall kann also bildlich einfach unter der Wand durch…

4. Auf altem Dielenboden ist sich anschleichen nicht möglich.

Es knarzt und quietscht. Irgendwann weiß man beim nächtlichen Toilettengang, wohin man treten kann, ohne, dass die Bretter Geräusche machen, was zu einem exzentrisch tänzelndem Gang führt.
Selbst bei unseren Kater Gandhi qietscht der Boden. Aber fairerweise muss man sagen, dass er auch nicht der schlankste ist…

5. Böden hängen zur Mitte des Raumes durch.

Wie gesagt, es gibt keine rechten Winkel. Auch nicht zwischen Wand und Boden. Die Böden in Altbauten sind meistens aus Holzbalken und -dielen konstruiert und lagern auf den begrenzenden, tragenden Wänden auf.

Mit der Zeit biegen sich die Balken durch, hat was mit Statik zu tun und es würde zu weit führen, das zu erläutern (und ich müsste da nochmal einige Kapitel nachlesen, räusper). Die Biegung fällt mal mehr, mal weniger auf. Im normalen Wohnalltag eigentlich gar nicht.

Wenn man aber an einer Wand einen großen Schrank oder mehrere Regale nebeneinander aufstellen möchte, braucht man schon ein paar Unterlegkeile, um die Höhendifferenz auszugleichen.
Uns ist es mal passiert, dass wir an einem Sommertag die Balkontür gekippt hatten und zu einem Spaziergang rausgegangen sind.

Ein plötzlicher Platzregen trieb uns dann nach Hause. Uns erwartete ein netter kleiner Teich mitten im Wohnzimmer: es hatte reingeregnet und das Wasser ist dem Gefälle im Boden naturgemäß gefolgt…

6. Nur weil die Wand gerade aussieht, ist sie es noch lange nicht.

Das fällt meistens auch erst auf, wenn man langgestreckte Möbel oder Regalbretter montieren möchte. Wenn komische Abstände entstehen oder klaffende Fugen. Oder, wie bei uns, bei der Montage der neuen Küchenarbeitsplatte.

Die betreffende Wand hat einen kleinen Knick, den man aber nur am Boden wahrnehmen kann (weil dort das Muster vom PVC eben unterschiedlich angeschnitten ist). Den konnte man natürlich nicht sehen beim Aufmaß, da zu dem Zeitpunkt dort noch die alten Küchenschränke standen.

Bei der Montage der neuen ist es dann aufgefallen und die Arbeitsplatte war nicht tief genug, um die Tiefendifferenz aufnehmen zu können. Also musste eine neue, extra tiefe bestellt werden. Kein Problem, aber gut zu wissen. Darauf achte ich beim nächsten Mal besser.

7. In Altbauwohnungen ist die Tapete ist nicht nur einmal überstrichen.

In Deutschland ist die good old Raufasertapete ja leider noch immer häufig anzutreffen. So auch in unserer Wohnung. In der neuen Küche wollten wir an einigen Wänden neue Tapete anbringen, wofür die alte runtermusste. Nun ist es ja aber nicht nur eine Schicht Tapete. Das wäre ja einfach.

Jeder Mieter der letzten 50-90 Jahre hat mindestens einmal über diese “Rau”faser gestrichen, mehr oder weniger sorgfältig. Ein mehrere Millimeter dicker Farbpanzer liegt also auf der Tapete, den es erstmal zu knacken gilt. Tapetenlöser löst nämlich auch nur das Papier, nicht die Acrylfarbe darauf.

Also muss man mit einem scharfen Spachtel oder Teppichmesser alle 10-20cm die Tapete einritzen, am besten längs und quer, damit der Tapetenlöser dort bis auf das Papier durchdringen kann. Nach 15 Minuten Einwirkzeit kann man dann das Pappmaché von der Wand kratzen.

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Das ist ein bisschen glibbrig und die Dämpfe von dem Löser können auch nicht gesund sein, aber mit etwas Geduld hat man danach eine einigermaßen glatte raufaserfreie Wand. Es lohnt sich also.

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Habe ich noch was vergessen? Ergänzende wissenswerte Fakten könnt Ihr gerne als Kommentar hinterlassen!

…und warum ich es trotzdem liebe in einer der Altbauwohnungen zu leben

Ich liebe den Charme des Hauses, der Wohnung. Weil hier schon gelebt wurde und jeder Kratzer, jede Macke, jeder Riss eine Geschichte hat, die uns aber nicht erzählt wird. Das finde ich spannend und schön, ein bisschen unheimlich und eben charmant.

Die “Patina”, die die Wohnung schon hat sorgt dafür, dass wir selbst entspannt sein können, wenn man was umfällt. Bei brandneuem, makellosem Boden zum Beispiel würde ich wohl durchdrehen und jedem Besucher Filzpuschen andrehen und immer mit einem Lappen im Anschlag rumlaufen.

Ich liebe den knarzenden Dielenboden, der jenseits von perfekt ist. In Neubauten wird ja kaum noch echter Holzboden verbaut, schon allein aus Kostengründen.

Dabei fühlt der sich unter den Füßen so viel toller und natürlicher an, als Teppich (ein Graus in Mietwohnungen), PVC (kein Kommentar) oder Laminat (ein Foto von Holz auf Spanplatte unter Folie… wer hat sich das nur ausgedacht!?).

Am allermeisten liebe ich in Altbauwohnungen aber die Deckenhöhe, die beim klassischen Gründerzeitbau meistens bei mindestens 3 Metern liegt, im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss, der sogenannten “Bel Étage”, auch gerne mal höher.

Es lässt die Räume großzügiger wirken, luftiger, freier und man kann tolle Leuchten aufhängen.

Ich liebe auch die großen Fenster mit niedriger Brüstungshöhe, Doppelflügeltüren, Stuck an der Decke, bauzeitliche Fliesen, verschnörkelte Balkongeländer… einfach die vielen Details und das Unperfekte.

All das lässt mich über quietschende, unebene Böden hinwegsehen, über gerade eben nicht rechte Winkel, das “Abenteuer Wandregalmontage” und die nicht dichten Türen. Und vermutlich geht es den vielen anderen auch so.

Wie seht Ihr das?

Источник: https://hamburgvoninnen.de/7-fakten-altbauwohnungen/

Diese Produkte verwandeln deine Neubau- in eine Altbauwohnung

Warum ich in keinem Altbau wohne

Vintage-Holztüren, weiße Stuckdecken und Dielenböden – in Altbauwohnungen herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Neubauwohnungen wirken dagegen oft schlicht und charakterlos. Zum Glück gibt es ein paar einfache Tricks, mit denen du das Altbau-Feeling in deine vier Wände holen kannst!

Die wenigsten Menschen können sich bei der Wohnungssuche das Kriterium „Altbau“ leisten. Überhaupt ein bezahlbares Zuhause zu finden, ist schwer genug. Die gute Nachricht: Auf den romantischen Flair, den Altbauwohnungen mit sich bringen, musst du trotzdem nicht verzichten.

Auch eine Neubauwohnung kann richtig nostalgisch wirken – wenn man ihr den entsprechenden Look verleiht.

​Wir zeigen dir ein paar Produkte, die Altbau-Details in deine Neubau-Wohnung zaubern – ganz ohne aufwendige Renovierungsarbeiten. Eine zweite Person um Hilfe zu bitten, kann aber nicht schaden.

Wichtig: Wenn du dich an Türen, Decken und Böden zu schaffen machst, solltest du vorher deinen Vermieter um Erlaubnis fragen.

1. Stuckzierelemente an Decke und Wänden

Stuckzierleisten verleihen Altbauwohnungen eine edle und luxuriöse Anmutung. Sie befinden sich am Übergang zwischen Wand und Decke und sind meistens weiß. Auch Beige und Gold sind mögliche Farben.

In deiner Neubauwohnung Stuck anzubringen ist unglaublich easy. Zwar sind die günstigen Nachbildungen aus Styropor – den Unterschied sieht man aber nicht.

Wenn du alle Leisten ringsherum durch Stuck ersetzen möchtest, benötigst du eine feine Handsäge, um das Styropor in die richtige Länge zu bringen. Sägen kannst du dir unkompliziert im Baumarkt ausleihen.

Tipp: ​Zum Anbringen solltest du speziellen Systemkleber für Stuck nutzen. Damit kannst du auch die Ränder zwischen einzelnen Leistenteilen kaschieren.

Geeigneten Systemkleber gibt's hier bei Amazon.

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Um den Zimmerdecken noch mehr Altbau-Flair zu verleihen, kannst du eine Stuckrosette aufkleben. Der geeignete Platz für die Rosette ist dort, wo die Lampe hängt.

[/attention]Vor dem Aufkleben solltest du mittig ein Loch hineinbohren und das Lampenkabel hindurchschieben. Hängt unter dem Deckenschmuck ein Kronleuchter, macht das besonders viel her.

Vintage-Holztüren sucht man in Neubauten vergeblich. Meist bestehen die Türen zwar aus Holz, sind aber mit einer ebenmäßigen Kunststoffschicht in Unifarben oder Holzoptik beklebt. Wenn du nicht alle deine Türen austauschen möchtest, gibt es trotzdem drei günstige Möglichkeiten, ihnen den typischen Holz-Look zu verpassen.

​Bei weißen Türen mit glatter Oberfläche kannst du mit Styroporrahmen arbeiten, die du genau wie die Stuckleisten einfach aufklebst.

Dabei sind deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt: Von einem kleineren in einem größeren Rahmen über zwei verschiedengroße Rahmen untereinander bis hin zu vier gleichgroßen Rahmen gibt es viele Möglichkeiten.

Für alle anderen Türen mit glatter Oberfläche gibt es praktische Tür-Tattoos. Damit tapezierst du den sogenannten Kassettentür-Look einfach auf die alte Tür drauf.

Diese Lösung klingt zwar erstmal billig, ist laut der Amazon-Bewertungen aber tatsächlich effektiv.

Achtung: ​Viele Bewertungen empfehlen, eine zweite Person um Hilfe zu bitten.

Klebst du die Tattoos alleine auf, ist das Risiko für unschöne Falten und Blasen gleich höher.

Du möchtest auch deiner Wohnungstür den typischen Altbau-Look verleihen? Dann eignet sich dieser Aufkleber, auf dem eine richtig rustikale und schwere Holztür zu sehen ist. Um den Look zu komplettieren, solltest du auch die Türklinke austauschen.

Hier kannst du bei Amazon eine Vintage-Türklinge shoppen.

Deine Wohnung hat bereits Kassettentüren – jedoch in einer unpassenden Farbe? Altbackene Holzoptiken und knallige Töne lassen sich ganz easy mit Shabby-Chic-Kreidefarbe überpinseln.

Auch bei einer weißen Tür mit aufgeklebten Stuckleisten zahlt sich die Shabby-Chic-Kreidefarbe aus, denn sie verleiht den unterschiedlichen Materialien ein gleichmäßig mattes Finnish.

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Nicht ganz so günstig wie die anderen Produkte, aber besonders wichtig für die Atmosphäre der Wohnung: Der Boden. In Altbauten finden sich typischerweise teure Dielenböden. Allerdings gibt es auch Vinyl-Laminat in Dielen-Optik, das nicht nur vergleichsweise günstig, sondern auch super easy zu verlegen ist.

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Wenn in deiner Wohnung Teppich verlegt ist, musst du diesen vorher entfernen. Alle glatten Oberflächen kannst du aber notfalls überkleben. Bei Fliesen ist eine ebnende Zwischenlage nötig, damit sich das Vinyl nicht mit der Zeit in den Fugen absenkt.

​Achtung: Prüfe in jedem Fall vorher, ob unter deinen Türen noch ein Spalt Platz ist, damit sie nicht später auf dem Vinyl schleifen.

Bevor du die Laminat-Platten nebeneinander anbringst, solltest du noch noch eine Art Primer auf den Boden geben, damit alles gut hält.

Mit diesem Produkt kannst du entweder den Look des typischen Altbau-Flurs in deine Wohnungsdiele holen oder ein einzigartiges Badezimmer kreieren.

Der Bodenbelag in Steinoptik trägt nämlich das Muster der Fliesen, die in vielen Altbauten zwischen Haus- und Wohnungstür verlegt sind.

​Leider handelt es sich nicht um Vinyl-Fliesen, sondern um Meterware.

Einen solchen Boden zu verlegen ist ein wenig schwieriger, da du ihn am Stück anbringen musst. Vielleicht gibt es eine handwerklich begabte Person, die dir helfen kann?

Eine besonders einfache Möglichkeit, Vintage-Charme in deine Neubauwohnung zu bringen, sind lange, weiße Vorhänge. Sie lassen die Decken höher erscheinen und kaschieren moderne Kunststofffenster.

Je nach Raum kannst du entscheiden, ob du blickdichte oder transparente Vorhänge anbringen möchtest. Im Schlafzimmer eignen sich schwere Verdunklungsvorhänge.

Solche aus dem chiffonähnlichen Stoff Voile lassen hingegen viel Licht ins Zimmer scheinen und sind eher für Wohnräume geeignet.

Spätestens, wenn du die Gardinenstangen aufhängst, darfst du dich freuen, nicht in einer Altbauwohnung zu wohnen. Aufgrund der bröckligen Wände und Decken gestaltet sich das dort nämlich oft schwierig.
Eine hübsche, weiße Gardinenstange gibt's hier bei Amazon.

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Источник: https://www.gofeminin.de/wohnen/altbau-look-in-neubauwohnung-s2899964.html

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